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Ein Sinken des Östrogenspiegels kann ähnliche Symptome wie Gicht, Arthrose oder Rheuma hervorrufen
17. August 2026
Sharon Burbat
Plötzlich schmerzen Knie, Hüften oder Finger, morgens fühlen sich die Gelenke steif an: In den Wechseljahren erleben viele Frauen solche Beschwerden. Welche Rolle die Hormone spielen – und was wirklich hilft.
Wenn in den Wechseljahren plötzlich die Finger schmerzen, die Knie steif werden oder die Hüfte Probleme macht, denken viele Frauen zunächst an Verschleiß. Doch möglicherweise ist das nur ein Teil der Erklärung. Denn Östrogen wirkt nicht nur auf Zyklus und Fortpflanzung, sondern auch auf Muskeln, Knochen und Gelenke.
Wie häufig solche Beschwerden rund um die Menopause sind, zeigt eine aktuelle Meta-Analyse. Forschende werteten 37 Studien aus 22 Ländern mit insgesamt 93.021 Frauen aus. Während in der Prämenopause 40 Prozent über Muskel- oder Gelenkschmerzen berichteten, waren es in der Perimenopause 57 Prozent und nach der Menopause 59 Prozent.
Die Ergebnisse zeigen allerdings zunächst einen Zusammenhang, nicht, dass die hormonelle Umstellung die Schmerzen tatsächlich verursacht.
Die naheliegendste Erklärung ist Östrogen. Allerdings ist der Zusammenhang komplizierter als die einfache Gleichung „weniger Östrogen, mehr Schmerzen“. Während der Perimenopause schwankt der Östrogenspiegel zunächst stark, später sinkt er dauerhaft. Rezeptoren für das Hormon finden sich nicht nur in den Fortpflanzungsorganen, sondern auch in Knochen, Muskeln, Sehnen, Bändern und Knorpel.
Wie umfassend sich die hormonelle Umstellung auf den Bewegungsapparat auswirken könnte, rückt zunehmend in den Fokus der Forschung. Ein 2024 veröffentlichter Review prägte dafür sogar den Begriff „musculoskeletal syndrome of menopause“.
Die Autoren fassen darunter unter anderem Gelenk- und Muskelschmerzen, den Verlust von Muskel- und Knochenmasse sowie Veränderungen an Sehnen, Bändern und Knorpel zusammen. Wichtig ist allerdings: Der Begriff ist neu und keine etablierte medizinische Diagnose.
Schmerzen und Steifigkeit können an unterschiedlichen Stellen auftreten, häufig etwa an Händen und Fingern, Knien, Hüften oder Schultern. Auch Rücken- und Muskelschmerzen werden beschrieben. Typisch sind bei manchen Frauen zudem steife Gelenke am Morgen oder nach längerem Sitzen.
Allerdings sind solche Beschwerden nicht spezifisch für die Wechseljahre. Hinzu kommt ein Problem der bisherigen Forschung: Viele Studien erfassen Muskel- und Gelenkschmerzen gemeinsam, ohne genauer zu unterscheiden, welche Strukturen oder Erkrankungen tatsächlich dahinterstecken.
Die eine Therapie gegen Gelenkschmerzen in den Wechseljahren gibt es nicht, schon deshalb, weil hinter den Beschwerden ganz unterschiedliche Ursachen stecken können. Dennoch lässt sich einiges beeinflussen. Und ausgerechnet das, was bei schmerzenden Gelenken zunächst wenig verlockend klingt, gehört zu den wichtigsten Maßnahmen: Bewegung.
Wer Schmerzen hat, neigt schnell dazu, sich zu schonen. Auf Dauer kann genau das jedoch zum Problem werden: Regelmäßige Bewegung erhält die Mobilität und stärkt die Muskulatur, die die Gelenke stabilisiert.
Neben Radfahren, Schwimmen oder Walking sollte man deshalb gerade in und nach den Wechseljahren auch auf Krafttraining setzen, weil dem altersbedingten Verlust von Muskelmasse entgegenwirkt und zugleich wichtige Reize für die Knochen setzt. Bei stärkeren oder länger bestehenden Beschwerden kann Physiotherapie helfen, passende Übungen zu finden und Fehlbelastungen zu korrigieren.
Auch das Körpergewicht spielt eine Rolle, vor allem für Knie und Hüften: Weniger Gewicht bedeutet bei Übergewicht weniger mechanische Belastung für die Gelenke. Eine spezielle Ernährung gegen wechseljahresbedingte Gelenkschmerzen gibt es dagegen nicht.
Sinnvoll ist eine ausgewogene, überwiegend pflanzenbetonte Kost, skeptisch sollte man allerdings bei Lebensmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln sein, die gezielt als Mittel gegen Gelenkschmerzen beworben werden. Für viele davon ist die Evidenz begrenzt.
Wärme kann auf Steifigkeit und verspannte Muskulatur positiv wirken, bei akut geschwollenen oder entzündeten Gelenken wird dagegen häufig Kälte als wohltuender empfunden.
Die Vermutung liegt nahe: Wenn sinkende Östrogenspiegel zu den Gelenkbeschwerden beitragen, könnte eine Hormontherapie auch die Schmerzen lindern. Doch die Studienlage ist weniger eindeutig, als dieser Zusammenhang vermuten lässt. Eine 2026 veröffentlichte Meta-Analyse wertete 57 Studien mit insgesamt knapp vier Millionen Frauen aus und fand keinen signifikanten Zusammenhang zwischen einer Hormontherapie und allgemeinen Muskel- und Gelenkschmerzen.
Allerdings unterschieden sich die Studien teils erheblich. Ob eine Hormontherapie Gelenkbeschwerden tatsächlich lindern kann – und welche Frauen davon profitieren könnten –, lässt sich deshalb bislang nicht zuverlässig beantworten.
Gelenkschmerzen allein sind daher kein Grund, eine Hormontherapie zu beginnen. Anders sieht es aus, wenn gleichzeitig belastende Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen oder nächtliche Schweißausbrüche bestehen. Für gesunde Frauen unter 60 Jahren beziehungsweise innerhalb von zehn Jahren nach Beginn der Menopause gilt das Nutzen-Risiko-Verhältnis heute in der Regel als günstig.
Welche Therapie infrage kommt, hängt jedoch von den verwendeten Hormonen, ihrer Dosis und Anwendungsform ebenso ab wie vom individuellen Risikoprofil..
Auch pflanzliche Präparate wie Teufelskralle, Weihrauch oder Curcumin werden häufig gegen Gelenkschmerzen eingesetzt. Für einzelne Substanzen gibt es zwar Untersuchungen bei bestimmten Gelenkerkrankungen, ein spezifischer Nutzen bei wechseljahresbedingten Beschwerden ist jedoch nicht belegt.
Ähnliches gilt für Akupunktur; Massagen können vor allem begleitende muskulären Verspannungen lösen.
Das lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen. Beschwerden, die eng mit den hormonellen Schwankungen der Perimenopause zusammenhängen, können sich im weiteren Verlauf bessern. Gleichzeitig bleiben die Östrogenspiegel nach der Menopause niedrig, und altersbedingte Veränderungen an Muskeln, Knochen und Gelenken schreiten weiter fort.
Treten Gelenkschmerzen zeitgleich mit anderen typischen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Zyklusveränderungen oder Schlafproblemen auf, liegt ein Zusammenhang mit der hormonellen Umstellung nahe. Trotzdem sollte man neue oder ausgeprägte Beschwerden nicht vorschnell den Wechseljahren zuschreiben.
Gelenkschmerzen können zahlreiche Ursachen haben, darunter Arthrose, rheumatoide Arthritis, Gicht, Verletzungen oder andere Erkrankungen.
Besonders ärztlich abgeklärt werden sollten starke oder länger anhaltende Schmerzen sowie Gelenke, die deutlich geschwollen, gerötet oder überwärmt sind

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