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Ginseng ist seit Jahrhunderten fester Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin (TCM)
30. September 2026
Hanja Niederhammer
Roter Ginseng wird schon länger gegen Beschwerden der Wechseljahre eingesetzt. Eine neue Studie liefert nun weitere Hinweise auf seine Wirkung – und stärkt damit die bisherige Forschung zu der traditionellen Heilpflanze.
Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen: In den Wechseljahren kommen oft verschiedene lästige Beschwerden zusammen. Entsprechend groß ist der Wunsch nach einer Behandlung, die an mehreren Stellen zugleich ansetzt. Neben der Hormonersatztherapie rücken dabei auch pflanzliche Mittel in den Fokus. Eines davon ist Roter Ginseng. Eine neue Studie aus dem Jahr 2026 zeigt nun, dass die Wurzel tatsächlich mehrere typische Wechseljahresbeschwerden lindern könnte.
Ginseng wird seit Jahrhunderten in der traditionellen asiatischen Medizin verwendet. Heute ist die Wurzel als Extrakt, Pulver, Kapsel oder Getränk erhältlich. Zu ihren wichtigsten Inhaltsstoffen gehören die sogenannten Ginsenoside – eine Gruppe pflanzlicher Wirkstoffe, deren Zusammensetzung sich je nach Ginseng-Art und Verarbeitung unterscheidet.
Am besten erforscht ist Panax ginseng, der asiatische oder koreanische Ginseng. Wird seine Wurzel nach der Ernte gedämpft und anschließend getrocknet, spricht man von Rotem Ginseng. Durch die Verarbeitung verändert sich auch das Spektrum der enthaltenen Ginsenoside.
Eine 2026 im Journal of Ginseng Research veröffentlichte randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie liefert jetzt neue Daten. 112 Frauen zwischen 45 und 60 Jahren mit Wechseljahresbeschwerden nahmen daran teil. Über 90 Tage erhielten sie entweder ein Getränk mit Rotginseng oder ein Placebo.
Um die Veränderungen zu erfassen, nutzten die Forschenden unter anderem den Kupperman-Index. Er berücksichtigt verschiedene typische Beschwerden der Wechseljahre.
Nach drei Monaten war der Gesamtscore in der Ginseng-Gruppe stärker gesunken als unter Placebo. Verbesserungen zeigten sich unter anderem bei Hitzewallungen und Schwitzen, Schlafproblemen, Reizbarkeit, depressiven Beschwerden und Müdigkeit.
Zusätzlich untersuchte das Forschungsteam verschiedene Stoffwechsel- und Belastungsparameter. Unter Ginseng gingen Gesamt- und LDL-Cholesterin zurück. Auch bei einigen Markern, die im Zusammenhang mit körperlicher Ermüdung bestimmt wurden, zeigten sich positive Veränderungen.
Die Ergebnisse von 2026 stehen nicht allein. Bereits eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus dem Jahr 2022 wertete 15 placebokontrollierte Studien zu Ginseng bei Frauen in und nach den Wechseljahren aus.
In der zusammengefassten Auswertung von drei Studien mit insgesamt 515 Frauen gingen Wechseljahresbeschwerden und Hitzewallungen unter Ginseng stärker zurück als unter Placebo – und auch die Lebensqualität der Frauen verbesserte sich.
Schlafprobleme sind in den Wechseljahren besonders häufig. Manche Frauen werden durch Hitzewallungen und Nachtschweiß immer wieder wach, andere schlafen schlechter, ohne dass diese Beschwerden die alleinige Erklärung liefern.
In der neuen Studie gingen die Schlafprobleme unter Rotem Ginseng stärker zurück als unter Placebo. Das zeigte sich nicht nur im allgemeinen Beschwerdescore, sondern auch auf der Athens Insomnia Scale, einem eigenen Fragebogen zur Beurteilung von Schlafstörungen.
Offen bleibt, wodurch dieser Effekt zustande kommt. Möglich ist, dass die Frauen besser schliefen, weil andere Wechseljahresbeschwerden nachließen. Ebenso werden direkte Effekte von Ginseng auf Stress- und Regulationssysteme diskutiert. Welche Mechanismen beim Menschen den Ausschlag geben, ist noch nicht geklärt.
Auch die Wirkung auf die Sexualität von Frauen wird schon länger untersucht. Eine kleine placebokontrollierte Doppelblindstudie mit 32 Frauen fand unter Rotem Ginseng eine Verbesserung der sexuellen Erregung.
Eine weitere randomisierte Studie mit 62 postmenopausalen Frauen kam ebenfalls zu positiven Ergebnissen: Nach vier Wochen hatte sich die sexuelle Funktion unter Panax ginseng stärker verbessert als unter Placebo.
Hinzu kommt eine Studie mit 55 prämenopausalen Frauen, die aufgrund einer gynäkologischen Krebserkrankung operativ in die Menopause gekommen waren. Sie erhielten zwölf Wochen lang täglich drei Gramm koreanischen Roten Ginseng oder Placebo. Bei den allgemeinen Wechseljahresbeschwerden zeigte sich kein Unterschied zwischen den Gruppen, bei sexuellen Beschwerden schnitt Ginseng jedoch besser ab. Die Einzelstudien liefern damit durchaus positive Hinweise.
Obwohl sich mehrere Beschwerden verbesserten, veränderten sich in der neuen Studie die gemessenen weiblichen Hormonwerte nicht signifikant. Auch bei der Dicke der Gebärmutterschleimhaut zeigte sich kein relevanter Unterschied.
Die Wirkung lässt sich also nicht einfach damit erklären, dass Ginseng den Östrogenspiegel erhöht. Auch frühere Untersuchungen kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Ginseng ist damit nicht mit einer Hormonersatztherapie gleichzusetzen.
Wer nach einem Ginseng-Präparat sucht, stößt auf Roten und Weißen Ginseng, Pulver, Extrakte, Kapseln oder Trinkampullen. Die Produkte sind nicht ohne Weiteres miteinander vergleichbar.
Ein großer Teil der klinischen Forschung zu Wechseljahresbeschwerden bezieht sich auf koreanischen Roten Ginseng oder standardisierte Extrakte daraus. Entscheidend ist deshalb nicht allein, dass „Ginseng“ auf der Verpackung steht, sondern welche Art und welcher Extrakt enthalten sind.
Eine allgemeingültige Dosierung lässt sich aus den Studien bislang nicht ableiten. In den Untersuchungen wurden unterschiedliche Mengen und Präparate verwendet. Wer Ginseng ausprobieren möchte, sollte deshalb auf ein klar deklariertes Produkt achten und sich an die dafür vorgesehene Dosierung halten.
Ginseng wurde in den klinischen Studien überwiegend gut vertragen. Möglich sind dennoch Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden oder Schlafprobleme.
Zu beachten sind außerdem mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten. Wer regelmäßig Arzneimittel einnimmt oder an einer chronischen Erkrankung leidet, sollte die Einnahme eines höher dosierten Ginseng-Präparats vorher ärztlich oder in der Apotheke abklären.
Roter Ginseng bekommt durch die neue Studie wissenschaftlich Rückenwind. Zusammen mit früheren Untersuchungen spricht inzwischen einiges dafür, dass die Wurzel Wechseljahresbeschwerden lindern kann, offenbar ohne dabei direkt in den Hormonhaushalt einzugreifen.
Noch sind nicht alle Fragen geklärt. Doch aus einem traditionellen Pflanzenmittel wird zunehmend eine Option, die auch die moderne Wechseljahresforschung ernst nimmt.

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