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2. Oktober 2026
Christine Bürg & Marianne Waldenfels
Von Seoul bis Hollywood sorgt eine neue Radiofrequenz-Behandlung für große Aufmerksamkeit: XERF soll die Haut ohne OP und lange Ausfallzeit straffen. Dermatologe Dr. Timm Golüke erklärt, was die Methode von anderen Treatments unterscheidet – und was man bisher über ihre Wirkung weiß

Ein Interview mit
Dr. med. Timm Golüke
Kaum Ausfallzeit, keine OP – und ein Straffungseffekt, der sich über Wochen weiterentwickelt: XERF gehört zu den Behandlungen, die derzeit in der ästhetischen Medizin für Aufsehen sorgen. Das Versprechen klingt verlockend, gerade weil das Gesicht dabei nicht mit zusätzlichem Volumen verändert werden soll.
Doch was lässt sich mit XERF tatsächlich erreichen? Für wen lohnt sich die Behandlung – und was weiß man bislang über mögliche Risiken? Dermatologe Dr. Timm Golüke setzt die Technologie bereits in seiner Praxis ein und erklärt, was ihn überzeugt hat – und bei welchen Erwartungen er bewusst bremst.
XERF gilt als DER Beauty-Trend des Jahres 2026. Was macht die Behandlung aus Ihrer Sicht so besonders?
Was mich an XERF überzeugt hat, ist, dass wir nicht nur an der Oberfläche arbeiten. Hautalterung passiert auf mehreren Ebenen. Und genau das können wir mit dieser Technologie berücksichtigen. XERF arbeitet mit Radiofrequenz und bringt kontrollierte Wärme in unterschiedliche Gewebeschichten. Dadurch können wir die Haut zur Kollagenbildung anregen und gleichzeitig Festigkeit und Struktur verbessern.
Ich mag Behandlungen, bei denen das Gesicht danach nicht plötzlich anders aussieht - es soll immer noch das eigene Gesicht sein. Nur frischer, straffer und mit einer besseren Hautqualität. Und natürlich ist es für viele Patienten ein großer Vorteil, dass sie dafür nicht operiert werden müssen und kaum Zeit aus ihrem Alltag verlieren.
Wie läuft eine XERF-Behandlung ab – und was sieht man unmittelbar danach?
Wir schauen uns zuerst das Gesicht genau an. Wo fehlt Spannung? Wo ist die Hautqualität nicht mehr so gut? Und was möchte der Patient verändern? Danach legen wir die Behandlung individuell fest. Ich arbeite nicht gerne nach einem starren Schema, weil jedes Gesicht anders ist. Die Behandlung selbst dauert je nach Region ungefähr 30 bis 60 Minuten.
Man spürt die Wärme natürlich. Das soll auch so sein. Es darf aber nicht schmerzhaft werden. Danach ist die Haut häufig etwas gerötet und warm. Manche Patienten haben auch eine leichte Schwellung. Das klingt in der Regel relativ schnell wieder ab.
Eine klassische Ausfallzeit gibt es nicht. Man kann normalerweise direkt wieder in den Alltag. Ich würde aber trotzdem nicht sagen, dass nach der Behandlung gar nichts zu sehen ist. Die Haut wurde behandelt und darf auch entsprechend reagieren.
Bei welchen Hautveränderungen kann XERF besonders viel bewirken?
Ich sehe XERF vor allem bei Patienten, bei denen die Haut langsam an Festigkeit verliert. Die Kieferlinie wird etwas weicher, die Haut am Hals verliert an Spannung oder die Haut wirkt insgesamt nicht mehr so kompakt. Was XERF aber nicht ist: eine Lösung für jedes Problem.
Bei einer sehr ausgeprägten Hauterschlaffung wird eine nicht-invasive Behandlung irgendwann an ihre Grenzen kommen. Dann muss man auch über andere Möglichkeiten sprechen. Für mich ist die richtige Indikation eigentlich das Wichtigste.
Wie stark kann XERF die Haut tatsächlich straffen – und wann sieht man das endgültige Ergebnis?
Manche Patienten sehen schon direkt nach der Behandlung eine gewisse Straffung. Das ist aber nicht das Ergebnis, auf das ich mich konzentrieren würde. Der eigentliche Effekt kommt später. Die Wärme stimuliert die Haut und regt unter anderem die Kollagenneubildung an. Das braucht Zeit. Ich würde sagen: Nach einigen Wochen wird es interessant, und über die nächsten zwei bis drei Monate entwickelt sich das Ergebnis weiter.
Genau das wurde auch in den bisherigen klinischen Untersuchungen beobachtet. Wie lange es hält, kann man nicht pauschal sagen. Das hängt vom Patienten, vom Alter, von der Hautqualität und natürlich auch vom weiteren Alterungsprozess ab. Ich verspreche deshalb meinen Patienten nicht „X Jahre Haltbarkeit“. Mir geht es darum, die Haut langfristig in ihrer eigenen Regeneration zu unterstützen.
Kann also schon eine einzige XERF-Behandlung einen sichtbaren Effekt erzielen?
Ja, das kann durchaus sein. Es kommt aber sehr darauf an, was wir erreichen möchten und wie die Haut aussieht.
Bei einer leichten Erschlaffung kann eine Sitzung schon einen schönen Effekt bringen. Bei anderen Patienten würde ich mehrere Behandlungen empfehlen, das hängt vom Ausgangspunkt ab.
Ich würde aber nie von vornherein sagen: Sie brauchen unbedingt drei oder vier Behandlungen. Wir sehen uns an, wie die Haut reagiert. Und dann entscheiden wir weiter.
Eine häufige Sorge ist, dass tiefe Radiofrequenz das Unterhautfettgewebe im Gesicht abbauen und das Gesicht so eingefallener wirken lassen könnte. Wie berechtigt ist diese Befürchtung?
Absolut berechtigt. Radiofrequenz ist nicht gleich Radiofrequenz. Es kommt darauf an, wie tief die Energie eingebracht wird, mit welcher Temperatur und mit welcher Intensität gearbeitet wird. Genau deshalb muss man wissen, was man tut. Ich möchte nicht einfach möglichst viel Energie möglichst tief ins Gesicht bringen. Unser Ziel ist eine kontrollierte Erwärmung der entsprechenden Gewebeschichten.
Und wir müssen die Anatomie des Patienten berücksichtigen. Ein sehr schmales Gesicht mit wenig Unterhautfett behandle ich natürlich anders als ein Gesicht mit deutlich mehr Gewebe. Bei den bisherigen XERF-Daten gibt es keine Hinweise auf einen relevanten Fettverlust. Das ist beruhigend. Aber man muss auch ehrlich sagen: Die Studien sind noch relativ klein und die Nachbeobachtungszeiten noch kurz. Wir brauchen hier vor allem mehr Langzeitdaten.
Wie ordnen Sie XERF im Vergleich zu Fillern oder einem Facelift ein?
Das sind für mich eigentlich drei ganz unterschiedliche Werkzeuge. Mit einem Filler kann ich gezielt Volumen ersetzen oder eine Kontur verändern. Wenn einem Gesicht Volumen fehlt, kann das sinnvoll sein. XERF macht etwas anderes. Hier geht es eher darum, die vorhandenen Strukturen zu stimulieren und die Haut beziehungsweise das Gewebe zu straffen.
Und ein Facelift ist natürlich noch einmal eine ganz andere Kategorie. Bei einer starken Haut- und Gewebeerschlaffung kann eine Operation ein Ergebnis erzielen, das eine nicht-invasive Behandlung einfach nicht leisten kann. Ich finde es wichtig, das auch so ehrlich zu sagen.
Es gibt nicht die eine Behandlung, die alles kann. Manchmal ist XERF die richtige Lösung. Manchmal ein Filler. Manchmal eine Kombination. Und manchmal würde ich einem Patienten auch sagen, dass wir im Moment gar nichts machen müssen.
XERF ist noch eine junge Methode. Was wissen wir über Wirkung und Sicherheit – und was noch nicht?
Die ersten Daten sind durchaus vielversprechend. Wir sehen Verbesserungen bei Hautstraffung und Hautqualität und bisher ein gutes Sicherheitsprofil. Aber wir stehen noch am Anfang. Das sollte man auch sagen.
Die bisherigen Studien umfassen relativ wenige Patienten und die Nachbeobachtungszeiten sind noch nicht sehr lang. Uns fehlen vor allem größere, randomisierte Studien und Langzeitdaten. Mich interessieren dabei besonders zwei Dinge: Wie stabil sind die Ergebnisse über mehrere Jahre? Und was passiert langfristig mit den verschiedenen Gewebeschichten?
XERF finde ich aus genau diesem Grund spannend. Die ersten Erfahrungen sind gut. Jetzt geht es darum, die Daten weiter zu sammeln und die Behandlung immer präziser einzusetzen.
Neben Dr. Timm Golüke bieten aus dem PMC-Netzwerk unter anderem Dr. Susanne Steinkraus und LVATE Face Aesthetics Behandlungen mit XERF an.

Von Seoul bis Hollywood sorgt eine neue Radiofrequenz-Behandlung für große Aufmerksamkeit: XERF soll die Haut ohne OP und lange Ausfallzeit straffen. Dermatologe Dr. Timm Golüke erklärt, was die Methode von anderen Treatments unterscheidet – und was man bisher über ihre Wirkung weiß
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