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3. Juli 2026
Christine Bürg & Marianne Waldenfels
Karottensaft und Kokoswasser gelten auf TikTok als Geheimrezept für einen natürlichen Sommer-Glow. Tatsächlich kann Beta-Carotin den Hautton verändern – allerdings anders, als viele Social-Media-Videos versprechen. Ein Dermatologe erklärt, was wissenschaftlich belegt ist.

Mit
Dr. med. Timm Golüke
Unter dem Hashtag „Carrot Glow Refresher“ mixen sich gerade Millionen Social-Media-Nutzer:innen ihren Sommerdrink selbst: Karottensaft und Kokoswasser, oft ergänzt um Kurkuma, Ingwer oder Zitrusfrüchte.
Das Versprechen: ein natürlich gebräunter, strahlender Teint – und das ganz ohne Make-up. Der Trend, der von der Creatorin @ckhutchings unter dem Namen „Bare Face Summer“ populär gemacht wurde, hat sich inzwischen zu einem der meistdiskutierten Beauty-Trends des Sommers entwickelt. Doch was ist an dem Versprechen wirklich dran?
Hinter dem Hype steckt ein wissenschaftlich gut beschriebenes Phänomen. Wie Dermatologe Dr. Timm Golüke im Gespräch mit Premium Medical Circle erklärt, kann Beta-Carotin aus Karotten den Hautton bei regelmäßiger Aufnahme tatsächlich leicht verändern.
Wer allerdings einen schnellen Beauty-Effekt erwartet, wird enttäuscht. Selbst wenn sich der Hautton verändert, geschieht das erst nach längerer regelmäßiger Aufnahme. Zudem entsteht keine echte Bräune, sondern lediglich eine gelblich-goldene bis leicht orangefarbene Verfärbung der obersten Hautschicht.
Karottensaft liefert vor allem Beta-Carotin, eine Vorstufe von Vitamin A. Außerdem enthält er Vitamin C, Kalium und weitere Pflanzenstoffe, die im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung grundsätzlich sinnvoll sind. Beta-Carotin ist der Stoff, der bei hoher Zufuhr für die typische gelblich-orange Hautverfärbung verantwortlich sein kann.
Kokoswasser wird im Trend vor allem wegen seiner hydratisierenden Wirkung verwendet. Es liefert Flüssigkeit und Elektrolyte, insbesondere Kalium. Damit ist es ein leichtes, kalorienarmes Getränk, aber kein Hautpflegeprodukt im eigentlichen Sinn. Der sichtbare „Glow“, über den in Social Media gesprochen wird, stammt daher nicht vom Kokoswasser, sondern wenn überhaupt vom Karottensaft.
Der „Glow“-Effekt des Trends beruht auf einem real existierenden, gut untersuchten Phänomen: der Karotinämie (auch Carotinämie genannt). Bei erhöhter Zufuhr von Beta-Carotin – etwa 30 Milligramm oder mehr pro Tag über mehrere Wochen – lagert sich der gelb-orange Farbstoff in der obersten Hautschicht ab. Betroffen sind vor allem Handflächen, Fußsohlen und der Bereich um die Nase.

Karottensaft und Kokoswasser gelten auf TikTok als Geheimrezept für einen natürlichen Sommer-Glow. Tatsächlich kann Beta-Carotin den Hautton verändern – allerdings anders, als viele Social-Media-Videos versprechen. Ein Dermatologe erklärt, was wissenschaftlich belegt ist.
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Mit
Dr. med. Timm Golüke

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Prof. Dominik Pförringer

Von
Prof. Dr. med. Dominik Pförringer

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Christine Bürg & Marianne Waldenfels

Ein Interview mit
Dr. med. Jan K. Hennigs
Dr. Timm Golüke ordnet den zeitlichen Verlauf ein: "Wenn überhaupt, dann sieht man eine Veränderung nicht nach ein paar Tagen, sondern eher nach mehreren Wochen. Dafür müssen allerdings regelmäßig größere Mengen Beta-Carotin aufgenommen werden, deutlich mehr, als die meisten Menschen im Alltag essen oder trinken. Wann genau sich die Haut leicht goldener färbt, ist aber individuell sehr unterschiedlich."
Wichtig: Diese Verfärbung hat mit einer Vitamin-A-Überdosierung nichts zu tun. Beta-Carotin wird vom Körper nur bei Bedarf in Vitamin A umgewandelt, eine Überdosierung durch Karotten oder Karottensaft ist praktisch ausgeschlossen. Die Karotinämie gilt als vollständig harmlos und reversibel: Wird weniger Beta-Carotin aufgenommen, verschwindet die Färbung von selbst wieder.
Der Effekt ist keine Bräune im eigentlichen Sinn, sondern eine Pigmentablagerung. Die Haut wirkt gelblich bis orange statt gebräunt, und die Verfärbung ersetzt keinen Sonnenschutz. Pflanzenfarbstoffe wie Beta-Carotin tragen zwar in begrenztem Umfang zum UV-Schutz der Haut bei, eine wirksame Sonnenprävention ersetzen sie jedoch nicht – hierfür bleiben Schatten, Kleidung und Sonnencreme mit ausreichendem Lichtschutzfaktor entscheidend.
Dr. Timm Golücke hält den Begriff „Glow“ für den Effekt für irreführend: "Die Haut wird dadurch nicht automatisch gesünder oder strahlender. Was viele als Glow wahrnehmen, ist eigentlich eine leichte gold-orange Färbung der obersten Hautschicht durch das Beta-Carotin. Das kann den Teint tatsächlich etwas wärmer und frischer wirken lassen, mit einer Verbesserung der Hautqualität hat das aber wenig zu tun."
Dass Beta-Carotin den Hautton beeinflussen kann, ist wissenschaftlich seit Jahren bekannt. Mehrere Studien zeigen, dass eine carotinoidreiche Ernährung die Haut leicht gelblicher erscheinen lassen kann, ein Effekt, den viele Menschen sogar als gesünder oder attraktiver wahrnehmen.
Studien belegen außerdem, dass Carotinoide die Haut in gewissem Umfang vor UV-bedingtem oxidativem Stress schützen können. Die Effekte sind jedoch deutlich kleiner, als viele Social-Media-Videos vermuten lassen. Es handelt sich nicht um einen schnellen Beauty-Hack, sondern allenfalls um einen moderaten Effekt, der sich erst nach längerer regelmäßiger Aufnahme entwickelt
Besondere Zurückhaltung ist bei Raucher:innen sinnvoll. Für hoch dosierte Beta-Carotin-Supplemente zeigten große Studien ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko bei Rauchern. Das ist ein wichtiger Unterschied zu Karottensaft aus Lebensmitteln: Der Risikohinweis bezieht sich vor allem auf Nahrungsergänzungsmittel und hohe Zusatzdosen, nicht auf normale Lebensmittelmengen.
Menschen mit empfindlichem Magen-Darm-Trakt können auf größere Mengen Karottensaft mit Blähungen, Völlegefühl oder weichem Stuhl reagieren. Das liegt nicht an einem besonderen Schaden, sondern meist an der Menge und Zusammensetzung des Getränks. Wenn zusätzlich viel Fruchtsaft oder sehr süße Zutaten verwendet werden, kann der Drink schnell schwerer verdaulich werden.
Bei Kokoswasser ist vor allem der Kaliumgehalt relevant. Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion oder einer kaliumarmen Diät sollten das mit ärztlichem Personal abklären. Gerade weil Kokoswasser als gesundes Lifestyle-Getränk gilt, wird dieser Punkt leicht unterschätzt. Für bestimmte Patientengruppen ist „natürlich“ nicht automatisch gleichbedeutend mit „unproblematisch“.
Auch bei Kindern ist der Effekt bekannt. Die sogenannte Karottenhaut tritt gelegentlich bei Kleinkindern auf, wenn sie sehr häufig Karottenbrei oder karottenreiche Kost bekommen. Das ist in der Regel harmlos, zeigt aber, dass auch bei natürlichen Lebensmitteln eine sehr einseitige Ernährung nicht ideal ist.
Der „Carrot Glow Refresher“ ist kein Wundermittel, aber auch kein Mythos. Entscheidend für den beobachteten Effekt ist das Beta-Carotin im Karottensaft. Es kann den Hautton bei regelmäßigem Konsum tatsächlich leicht verändern.
Wer sich davon jedoch einen sonnengebräunten Teint erhofft, wird enttäuscht: Das Ergebnis ist keine Bräune, sondern allenfalls eine gelblich-goldene Verfärbung der Haut. Sonnenschutz bleibt deshalb unverzichtbar.
Dr. Golüke bewertet den Trend insgesamt gelassen: Ein Glas Karottensaft sei sicherlich kein Problem und könne im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung sogar sinnvoll sein. Kritisch werde es erst, wenn der Eindruck entstehe, man könne sich schöne Haut einfach antrinken, so der Dermatologe.
Denn gesunde Haut hänge von vielen Faktoren ab – Ernährung spiele zwar eine Rolle, aber ebenso Sonnenschutz, Schlaf, Hautpflege und die individuelle Veranlagung.
Ein sichtbarer Effekt entsteht meist nicht nach einzelnen Gläsern, sondern eher bei regelmäßiger Zufuhr über mehrere Wochen. In Studien wurden Farbveränderungen vor allem bei höherer Beta-Carotin-Aufnahme beobachtet.
In der Regel nicht. Carotinämie gilt als harmlos und bildet sich meist zurück, wenn die Beta-Carotin-Zufuhr sinkt.
Nein. Weder die Verfärbung noch die enthaltenen Antioxidantien bieten einen ausreichenden UV-Schutz. Sonnencreme bleibt notwendig.
Nein. Beta-Carotin wird nur bedarfsgerecht in Vitamin A umgewandelt. Die Verfärbung bedeutet nicht automatisch eine Vitamin-A-Toxizität.