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9. Januar 2026
Birgitta Dunckel
Ähnlich wie viele andere Algenarten zählt auch Kelp als Superfood. Wofür es ist gut ist, welche Vitamine es enthält und wie man es einnehmen soll
Kelp (englisches Wort für Seetang) ist eine Braunalge, die die Küstenregionen der Weltmeere bevölkert und in den letzten Jahren als nährstoffreiches Superfood immer mehr Aufmerksamkeit erhält. Die auch als Laminariales bezeichnete Meerespflanze wächst in extrem nährstoffreichen, salzhaltigen Gewässern und strotzt daher nur so vor Vitaminen und Mineralien. Bei Kennern hat sie schon längst Kult-Status erreicht und gilt als eine der gesündesten Algenarten überhaupt.
Die Braunalge kommt vor allem in den kühleren Küstengewässern des Pazifiks vor, ist aber auch in der Nord- und Ostsee heimisch. Kelp kann erstaunliche Größen bis zu 60 Meter erreichen und ist an ihren langen, bandartigen Blättern zu erkennen, die unter Wasser regelrechte Unterwasserwälder bilden. Diese Tangwälder bieten Lebensraum für zahlreiche Meerestiere und spielen eine wichtige Rolle im maritimen Ökosystem.
Laminariales ist extrem schnellwüchsig und zählt zu den am schnellsten wachsenden Organismen der Welt: Pro Tag legt sie bis zu 50 cm zu. Diese beeindruckende Wachstumsgeschwindigkeit macht sie zu einer nachhaltigen Ressource, die sich schnell regeneriert und umweltfreundlich geerntet werden kann.
Das Kelp, das man im Supermarkt, Reformhaus oder online kaufen kann, stammt allerdings meist von spezialisierten Algenfarmen, insbesondere aus Asien, aber zunehmend auch aus europäischen Aquakulturen. Im Anschluss an die Ernte wird die Alge meistens luftgetrocknet oder schonend gefriergetrocknet, bevor sie in den Handel kommt oder zu Nahrungsergänzungsmitteln verarbeitet wird. Die nachhaltige Kultivierung und Ernte gewährleistet dabei eine gleichbleibend hohe Qualität.
Die Salzwasseralge ist vollgepackt mit wichtigen Vitaminen: Sie enthält Vitamin A für gesunde Augen und Haut, Vitamin C zur Stärkung des Immunsystems, Vitamin D für starke Knochen, Vitamin E als Zellschutz und Vitamin K für die Blutgerinnung. Besonders wertvoll sind auch die enthaltenen B-Vitamine (B1, B2, B3, B6, B12 und Folsäure), die für den Energiestoffwechsel und die Nervenfunktion unerlässlich sind. Vitamin B12 ist dabei besonders für Vegetarier und Veganer interessant, da es sonst hauptsächlich in tierischen Produkten vorkommt.
Kelp ist eine hervorragende Quelle für Kalium, das den Blutdruck reguliert, sowie für Eisen, das für die Blutbildung wichtig ist, und Magnesium, das Muskeln und Nerven unterstützt. Vor allem aber ist sie ein außergewöhnlich guter Jod-Lieferant: Bereits wenige Gramm Kelp können den Tagesbedarf an Jod decken. Zudem enthält die Alge reichlich Kalzium für starke Knochen und Zähne, Natrium, Phosphor, Kupfer, Zink, Selen und Schwefel.

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Neben Vitaminen und Mineralien punktet Kelp mit einem hohen Gehalt an Ballaststoffen, insbesondere Alginate, die eine besondere gesundheitliche Wirkung entfalten. Die Alge enthält außerdem wertvolle Omega-3-Fettsäuren, verschiedene Antioxidantien wie Fucoxanthin und Fucoidan sowie Aminosäuren. Diese bioaktiven Substanzen tragen maßgeblich zu den gesundheitlichen Vorteilen bei.
Die vielfältigen Inhaltsstoffe der Braunalge entfalten zahlreiche positive Effekte auf den menschlichen Organismus. Wissenschaftliche Studien bestätigen zunehmend die traditionellen Anwendungen und entdecken neue Wirkungsbereiche.
Aufgrund seines außergewöhnlich hohen Jodgehalts unterstützt Kelp die Funktion der Schilddrüse optimal. Jod ist ein essentielles Spurenelement, das für die Produktion von Schilddrüsenhormonen (T3 und T4) unerlässlich ist. Diese Hormone regulieren den Stoffwechsel, die Körpertemperatur, das Wachstum und die Entwicklung. Ein Jodmangel kann zu Schilddrüsenunterfunktion, Müdigkeit und Gewichtszunahme führen. Kelp kann hier auf natürliche Weise ausgleichend wirken und die Schilddrüsengesundheit fördern.
Der hohe Gehalt an Kalzium, Magnesium und Vitamin K stärkt die Knochen nachhaltig und verringert das Risiko von Osteoporose und Knochenbrüchen. Besonders im Alter oder bei erhöhtem Risiko für Knochenschwund kann die regelmäßige Einnahme von Kelp einen wichtigen Beitrag zur Knochengesundheit leisten. Die Mineralstoffe unterstützen zudem die Zahngesundheit.
Der Vitamin-Cocktail der Alge bildet ein Antioxidantien-Kraftpaket, das dazu beiträgt, Zellschäden durch freie Radikale zu bekämpfen. Die enthaltenen Antioxidantien wie Fucoxanthin und verschiedene Polyphenole schützen die Zellen vor oxidativem Stress, stärken das Immunsystem und reduzieren Entzündungen im Körper. Dies kann das Risiko für chronische Erkrankungen senken und den Alterungsprozess verlangsamen.
Die in Kelp enthaltenen Omega-3-Fettsäuren, Kalium und spezielle Peptide können den Cholesterinspiegel positiv beeinflussen, den Blutdruck regulieren und das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren. Studien zeigen, dass regelmäßiger Konsum von Meeresalgen mit einem gesünderen Herz-Kreislauf-System assoziiert ist. Die Ballaststoffe unterstützen zusätzlich einen gesunden Cholesterinspiegel.
Die in Kelp enthaltenen Alginate besitzen die besondere Fähigkeit, Schwermetalle wie Blei, Quecksilber und Cadmium sowie andere Giftstoffe im Verdauungstrakt zu binden und deren Ausscheidung zu fördern. Diese natürliche Entgiftungswirkung macht Kelp zu einem wertvollen Helfer in unserer von Umweltgiften belasteten Zeit. Alginate reduzieren zudem die Fettaufnahme im Körper. Einige wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass sie die Absorption von Fetten im Darm um bis zu 75 % hemmen können, was einen zusätzlichen Effekt für die Gewichtskontrolle bietet.
Der hohe Ballaststoffgehalt von Kelp fördert das Sättigungsgefühl nachhaltig und unterstützt eine gesunde Verdauung. Die Faserstoffe quellen im Magen auf und sorgen für ein langanhaltendes Sättigungsgefühl, was Heißhungerattacken vorbeugen kann. Zudem regt Kelp durch seinen Jodgehalt den Stoffwechsel an, was die Fettverbrennung unterstützen kann. Das macht die Alge zu einem wertvollen Begleiter bei einer Diät oder bei der langfristigen Gewichtskontrolle.
Die Vitamine A, C und E sowie die Mineralstoffe in Kelp tragen zu einer gesunden, strahlenden Haut bei. Die antioxidativen Eigenschaften schützen vor vorzeitiger Hautalterung, während die entzündungshemmenden Wirkstoffe bei Hautproblemen wie Akne oder Ekzemen helfen können. Nicht umsonst wird Kelp auch in der Kosmetikindustrie häufig verwendet.
Die präbiotischen Ballaststoffe in Kelp dienen als Nahrung für gesunde Darmbakterien und fördern somit eine ausgewogene Darmflora. Eine gesunde Darmflora ist wiederum wichtig für das Immunsystem, die Nährstoffaufnahme und das allgemeine Wohlbefinden. Die Alginate können zudem beruhigend auf den Verdauungstrakt wirken.
In der chinesischen und japanischen Küche werden Algen, insbesondere Kelp-Arten wie Kombu, schon seit über 4000 Jahren als wertvolles Lebensmittel genutzt und sind fester Bestandteil der täglichen Ernährung. Hierzulande ist die Alge noch eher unbekannt, erlebte aber in den letzten Jahren einen regelrechten Boom als pflanzliches Superfood und Nahrungsergänzungsmittel, nicht zuletzt durch das wachsende Interesse an asiatischer Küche und gesunder Ernährung.
Die Salzwasseralge kann auf vielfältige Weisen in die Ernährung integriert werden:
Getrocknete Kelp-Blätter: Ganze oder geschnittene getrocknete Algenblätter, die eingeweicht und für Suppen, Eintöpfe oder als Beilage verwendet werden können. In der japanischen Küche ist Kombu (eine Kelp-Art) die Basis für Dashi, eine traditionelle Suppenbrühe.
Kelp-Pulver: Fein gemahlenes Algenpulver, das sich hervorragend als natürliches Würzmittel in Smoothies, Säften, Suppen, Eintöpfen, Salatdressings und Fischgerichten eignet. Es verleiht Speisen eine leicht salzige, umami-reiche Note.
Nahrungsergänzungsmittel: Kelp ist als Nahrungsergänzung in Kapsel- oder Tablettenform erhältlich, was eine einfache und dosierbare Einnahme ermöglicht. Diese Form eignet sich besonders für Menschen, die den Geschmack von Algen nicht mögen, aber von den gesundheitlichen Vorteilen profitieren möchten.
Kelp-Snacks: Getrocknete, oft gewürzte Algenblätter als gesunder Snack für zwischendurch, die in vielen Geschmacksrichtungen erhältlich sind.
Kelp-Nudeln: Kalorienarme Nudeln aus Kelp, die als Low-Carb-Alternative zu herkömmlichen Nudeln dienen.
Kelp hat einen charakteristischen, leicht salzigen und mineralischen Geschmack mit umami-Noten. Wer den Geschmack zum ersten Mal ausprobiert, sollte mit kleinen Mengen beginnen. Das Pulver lässt sich wunderbar in grüne Smoothies einrühren, über Salate streuen oder zum Würzen von asiatischen Gerichten verwenden. Getrocknete Blätter können in Wasser eingeweicht und dann wie Gemüse zubereitet werden.
Zu welcher Tageszeit und in welcher Form die Salzwasseralge zu sich genommen wird, ist im Grunde egal und kann nach persönlichen Vorlieben gestaltet werden. Einige Menschen bevorzugen die Einnahme morgens zum Frühstück, um den Stoffwechsel anzuregen, andere integrieren Kelp in ihre Hauptmahlzeiten.
Wichtig aber ist: Nicht überdosieren, denn zu viel Jod kann ebenso schädlich sein wie zu wenig Jod auf dem Speiseplan. Eine Überdosierung kann zu Schilddrüsenproblemen führen, da sowohl ein Mangel als auch ein Überschuss an Jod die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen kann.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, nicht mehr als 200 Mikrogramm Jod täglich aufzunehmen. Da der Jodgehalt in Kelp-Produkten stark variieren kann (je nach Art und Herkunft zwischen 150 und 2.000 Mikrogramm pro Gramm), ist es wichtig, die Angaben auf der Verpackung genau zu beachten und sich an die empfohlene Dosierung zu halten.
Gerade Menschen mit einer bekannten Schilddrüsenerkrankung wie Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Basedow oder einer Schilddrüsenüberfunktion sowie Schwangere und Stillende sollten vor der Einnahme unbedingt ihren Arzt oder einen qualifizierten Ernährungsberater befragen. Auch Menschen, die bereits jodhaltige Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, sollten vorsichtig sein, um eine Überdosierung zu vermeiden.
Personen mit Jodallergie oder Überempfindlichkeit gegenüber Meeresfrüchten sollten auf Kelp verzichten. Auch bei der Einnahme bestimmter Medikamente, insbesondere Blutverdünnern oder Schilddrüsenmedikamenten, sollte vorher ärztlicher Rat eingeholt werden.
Beim Kauf von Kelp-Produkten sollte auf Qualität und Herkunft geachtet werden. Bio-zertifizierte Produkte aus kontrollierten Aquakulturen sind vorzuziehen, da sie auf Schadstoffe wie Schwermetalle, Pestizide und andere Verunreinigungen getestet werden. Besonders Algen aus belasteten Gewässern können Schadstoffe akkumulieren.
Neben Kelp gibt es weitere beliebte Algenarten, die als Superfood gelten, darunter Spirulina, Chlorella und Nori. Während Spirulina und Chlorella Süßwasseralgen sind und hauptsächlich als Proteinquelle dienen, ist Kelp eine Salzwasseralge und zeichnet sich besonders durch ihren hohen Jodgehalt aus. Nori, bekannt von Sushi, ist ebenfalls eine Meeresalge, enthält aber deutlich weniger Jod als Kelp. Jede Algenart hat ihre spezifischen Vorteile, aber Kelp ist unübertroffen, wenn es um die natürliche Jodversorgung geht.
Kelp ist nicht nur gesund, sondern auch umweltfreundlich. Die Kultivierung von Kelp bindet große Mengen CO2, produziert Sauerstoff und benötigt weder Süßwasser noch Dünger oder Pestizide. Algenwälder tragen zum Schutz der Küsten bei und bieten Lebensraum für marine Arten. Der Anbau von Kelp gilt daher als eine der nachhaltigsten Formen der Lebensmittelproduktion und könnte in Zukunft eine wichtige Rolle in der globalen Ernährungssicherheit spielen.
Kelp ist zweifellos eines der nährstoffreichsten Lebensmittel, die uns die Natur bietet. Die Braunalge überzeugt mit einer einzigartigen Kombination aus Vitaminen, Mineralien, Ballaststoffen und bioaktiven Substanzen. Von der Unterstützung der Schilddrüsenfunktion über die Stärkung der Knochen bis hin zur Förderung der Herz-Kreislauf-Gesundheit und natürlichen Entgiftung bietet Kelp vielfältige gesundheitliche Vorteile.
Ob als Pulver im Smoothie, als Zutat in der Küche oder als Nahrungsergänzungsmittel – Kelp lässt sich einfach in den Alltag integrieren. Wichtig ist dabei, auf die richtige Dosierung zu achten und bei bestehenden gesundheitlichen Problemen ärztlichen Rat einzuholen. Bei verantwortungsvoller Anwendung kann dieses Superfood aus dem Meer einen wertvollen Beitrag zu einer gesunden, ausgewogenen Ernährung leisten und das Wohlbefinden nachhaltig steigern.
Wer auf der Suche nach einer natürlichen Jodquelle ist, seinen Nährstoffhaushalt optimieren oder einfach die kulinarische Vielfalt bereichern möchte, sollte Kelp definitiv eine Chance geben. Das uralte Wissen asiatischer Kulturen trifft hier auf moderne Ernährungswissenschaft – eine Kombination, die überzeugt.