
© Elijah O'Donnell
7. April 2026
Christine Bürg & Marianne Waldenfels
Kann Kreatin gegen Depression helfen? Studien zeigen erste Hinweise auf eine Wirkung – vor allem als Ergänzung zu Therapien. Was ein Experte dazu sagt

Mit
Prof. Dr. med. Andreas Menke
Kreatin ist vor allem als Supplement aus dem Fitnessbereich bekannt. Doch aktuelle Forschung zeigt: Der Stoff könnte auch bei Depressionen eine Rolle spielen. Erste Studien liefern Hinweise darauf, dass Kreatin die Stimmung beeinflussen könnte – vor allem als Ergänzung zu bestehenden Therapien. Allerdings ist die Datenlage noch begrenzt. Was bisher bekannt ist, erklärt dieser Artikel.
Kann Kreatin bei Depression helfen?
Kreatin kann depressive Symptome möglicherweise verbessern – vor allem als Ergänzung zu Antidepressiva oder Psychotherapie. Die Studienlage ist jedoch noch begrenzt.
Kreatin ist kein reines Muskel-Supplement. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Energieversorgung der Zellen – auch im Gehirn.
„Das Gehirn macht nur etwa 2 % der Körpermasse aus, verbraucht aber rund 20 % der Energie“, erklärt Professor Dr. med Andreas Menke, Ärztlicher Direktor und Chefarzt im Medical Park Chiemseeblick. „Kreatin ist essenziell für die Bereitstellung von Adenosintriphosphat (ATP), dem wichtigsten Energieträger im Körper.“
Ein gestörter Energiehaushalt im Gehirn wird seit Längerem mit Depressionen in Verbindung gebracht. Genau hier setzt die Forschung zu Kreatin an. Viele Betroffene fragen sich, ob Kreatin bei Depression helfen kann.
„Es gibt inzwischen mehrere Bereiche, in denen Kreatin einen Nutzen haben könnte“, so Menke. „Bei akuten Belastungen wie körperlicher Anstrengung, starkem Stress oder Schlafdefizit zeigen Studien Hinweise auf eine bessere Leistungsfähigkeit.
Auch bei chronischen Erkrankungen – darunter Depressionen sowie neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer – wurden teils Kreatin-Defizite und erste positive Effekte einer Supplementierung beobachtet. Insgesamt ist die Datenlage jedoch noch begrenzt, sodass Kreatin derzeit eher als ergänzender Baustein und nicht als eigenständige Therapie zu verstehen ist.“
Eine große Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025, veröffentlicht im , hat die bisherige zu Kreatin und Depression systematisch ausgewertet und kommt zu dem Schluss: Kreatin kann depressive Symptome möglicherweise verbessern – vor allem in Kombination mit bestehenden Therapien.
„Bei Depressionen gibt es Hinweise darauf, dass im Gehirn teilweise geringere Kreatin-Konzentrationen vorliegen und dass niedrigere Werte mit stärkeren Symptomen einhergehen“, erklärt Menke. „In ersten klinischen Studien besserten sich depressive Symptome unter Kreatin-Supplementierung zum Teil – insbesondere als Zusatz zu einer bestehenden medikamentösen Therapie.“
Die bisherigen Studien sind jedoch noch zu klein und zu unterschiedlich, um klare Empfehlungen abzuleiten.
Ein Blick auf einzelne Studien zeigt, in welchen Situationen Kreatin besonders interessant sein könnte:
Patientinnen mit schwerer Depression, die zusätzlich Kreatin einnahmen, zeigten in Studien eine schnellere und stärkere Verbesserung ihrer Symptome als die Vergleichsgruppe.
Auch in Kombination mit kognitiver Verhaltenstherapie wurden bessere Ergebnisse beobachtet – sowohl bei der Stimmung als auch bei der Remission.
Neuere Analysen bestätigen: Kreatin kann antidepressive Effekte haben und wird in Studien meist gut vertragen. Große Langzeitstudien fehlen jedoch noch.
Einige Studien deuten darauf hin, dass Kreatin bei Frauen stärker gegen depressive Symptome wirken könnte als bei Männern. Auch klinische Beobachtungen gehen in diese Richtung.
„Bei Frauen scheint es noch etwas besser anzusprechen als bei Männern“, sagt Menke. „Die größten Effekte sehen wir bei denjenigen, die ein Defizit haben – sei es akut, etwa durch Schlafmangel oder Stress, oder chronisch, etwa bei Depressionen, Parkinson oder nach Schädel-Hirn-Traumata. Und da ist es bei Frauen noch einmal ausgeprägter als bei Männern.“
Warum das so ist, ist noch nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden unter anderem Unterschiede im Energiestoffwechsel sowie hormonelle Einflüsse.
Wichtig ist eine Einschränkung: Bei bipolarer Depression wurden in Einzelfällen manische Phasen beobachtet. Hier ist besondere Vorsicht geboten.
Warum Kreatin überhaupt auf die Psyche wirken könnte, ist noch nicht abschließend geklärt. Es gibt aber mehrere plausible Erklärungsansätze:
Diese Mechanismen sind wissenschaftlich noch nicht vollständig belegt, liefern aber eine plausible Grundlage für die beobachteten Effekte.
Einige Forschende betrachten Depression zunehmend auch als Störung des Energiestoffwechsels im Gehirn. In bestimmten Hirnregionen könnten Energieprozesse weniger effizient ablaufen.
Kreatin setzt genau hier an, da es eine zentrale Rolle bei der schnellen Energiebereitstellung in den Zellen spielt. Das könnte erklären, warum es in Studien einen Einfluss auf Stimmung und Antrieb zeigt.
Kreatin gehört zu den am besten untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln. In üblichen Mengen von 3–5 g täglich gilt es für gesunde Erwachsene als gut verträglich.
Nebenwirkungen sind selten und meist mild, etwa:
Besondere Vorsicht ist geboten bei:
Wichtig bleibt: Kreatin ist kein Ersatz für eine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.
Kreatin kommt auch natürlich in Lebensmitteln vor – vor allem in:
Über die Ernährung werden meist etwa 1–2 g täglich aufgenommen. Für die in Studien untersuchten Effekte reicht das in der Regel nicht aus.
Menschen, die wenig oder kein Fleisch essen, haben häufig niedrigere Kreatinspeicher und könnten daher stärker von einer Supplementierung profitieren.
Neben Kreatin werden auch andere Supplemente im Zusammenhang mit Depression untersucht.
Diese Stoffe können im Einzelfall ergänzend eingesetzt werden, ersetzen aber keine etablierte Therapie.
Wer Kreatin ausprobieren möchte, sollte einige grundlegende Punkte beachten:
Kreatin ist kein Wundermittel gegen Depression. Die bisherigen Studien zeigen jedoch, dass es ein interessanter ergänzender Ansatz sein könnte.
Kreatin kann derzeit als möglicher ergänzender Baustein betrachtet werden – nicht als eigenständige Behandlung.
Nein. Kreatin wird nur als mögliche Ergänzung untersucht.
In Studien zeigten sich Effekte teilweise nach wenigen Wochen – meist in Kombination mit anderen Therapien.
Kreatinmonohydrat gilt als Standard.
Das wurde in Studien untersucht – dennoch nur nach ärztlicher Rücksprache.
Dazu gibt es bisher kaum belastbare Daten.
Bei Nierenerkrankungen oder bipolarer Störung sollte Kreatin nicht ohne ärztliche Begleitung eingenommen werden.
Ja, Kreatin ist als Nahrungsergänzungsmittel frei erhältlich und nicht verschreibungspflichtig. Es sollte dennoch nur nach Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt eingenommen werden, insbesondere bei bestehenden Erkrankungen.
In Studien wurde Kreatin meist über mehrere Wochen bis Monate eingenommen. Für eine Anwendung bei Depressionen gibt es jedoch noch keine klaren Empfehlungen zur Dauer. Die Einnahme sollte daher immer ärztlich begleitet werden
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Depression wenden Sie sich bitte an eine Fachperson.