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16. August 2026
Sharon Burbat
CBD-Öl boomt als vermeintlich sanfter Wellnesshelfer. Doch viele Versprechen halten dem wissenschaftlichen Check nicht stand – und jetzt gibt es neue Zweifel an der Sicherheit
CBD-Öl hat sich vom Nischenprodukt zum Wellbeing-Trend entwickelt. Die Tropfen sollen entspannen, Schmerzen lindern und den Schlaf verbessern. Doch während die Liste der versprochenen Wirkungen lang ist, fällt die wissenschaftliche Bilanz deutlich nüchterner aus.
Dass Cannabidiol, kurz CBD, im Körper tatsächlich etwas bewirkt, steht außer Frage. Für bestimmte seltene Epilepsieformen ist es sogar als Arzneimittel zugelassen. Bei vielen anderen populären Anwendungen ist die Evidenz dagegen wesentlich schwächer. Und auch die Annahme, ein pflanzlicher Wirkstoff sei automatisch harmlos, bekommt inzwischen deutliche Risse.
Im Februar 2026 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ihre Einschätzung zu CBD aktualisiert und eine überraschend niedrige vorläufige Sicherheitsgrenze für die Aufnahme über Nahrungsergänzungsmittel festgelegt.
Cannabidiol gehört zu den sogenannten Cannabinoiden, den natürlichen Inhaltsstoffen der Hanfpflanze Cannabis sativa. Anders als THC berauscht CBD zwar nicht, wirkungslos ist es deshalb aber nicht. Der Stoff beeinflusst verschiedene Signalwege im Körper, darunter das Endocannabinoid-System, das unter anderem an der Regulation von Stimmung und Immunprozessen beteiligt ist. Wie CBD seine unterschiedlichen Effekte genau entfaltet, ist allerdings bis heute nicht vollständig verstanden.
Für handelsübliche CBD-Öle wird Cannabidiol meist aus Nutzhanf gewonnen und mit einem Trägeröl vermischt. Konzentration und Zusammensetzung können sich je nach Produkt erheblich unterscheiden. Zugelassene CBD-Arzneimittel sind damit nicht vergleichbar: Bei ihnen sind Wirkstoffgehalt, Qualität, Dosierung und Anwendungsgebiet genau definiert und geprüft.
Die mit Abstand beste Evidenz gibt es für bestimmte Formen der Epilepsie. In der Europäischen Union ist mit Epidyolex ein Arzneimittel mit dem Wirkstoff Cannabidiol zugelassen. Es wird zur Behandlung von Anfällen beim Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom sowie bei tuberöser Sklerose eingesetzt.
Bei vielen Einsatzgebieten, für die CBD-Öle beworben oder verwendet werden, ist die Studienlage wesentlich unsicherer.
Schmerzen: CBD wird häufig eine schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben. Präklinische Untersuchungen liefern dafür interessante Hinweise. Bei Menschen ist die Datenlage jedoch deutlich weniger eindeutig. Hinzu kommt, dass in Studien zu Cannabis und Schmerzen teilweise Präparate untersucht werden, die neben CBD auch THC enthalten. Ergebnisse solcher Studien lassen sich nicht einfach auf reines CBD oder handelsübliche CBD-Öle übertragen.
Schlaf: Auch als natürliche Einschlafhilfe ist CBD beliebt. Die Behauptung, CBD lasse Menschen grundsätzlich schneller einschlafen oder länger tief schlafen, lässt sich wissenschaftlich bislang aber nicht überzeugend belegen. In einer kleinen randomisierten, placebokontrollierten Studie von 2024 erhielten 30 Menschen mit Insomnie zwei Wochen lang jeden Abend 150 Milligramm CBD oder ein Placebo.
Bei den meisten untersuchten Schlafparametern schnitt CBD nicht besser ab als das Placebo. Lediglich die objektiv gemessene Schlafeffizienz war nach zwei Wochen in der CBD-Gruppe höher.
Angst und Stress: Hier gibt es ebenfalls Hinweise auf mögliche Effekte, die Ergebnisse sind jedoch noch nicht stabil genug für allgemeine Therapieempfehlungen. Eine systematische Übersichtsarbeit randomisierter Studien kam 2024 zu dem Ergebnis, dass die bisherigen Untersuchungen sehr unterschiedliche CBD-Dosierungen und Angststörungen einschlossen und teilweise widersprüchliche Ergebnisse lieferten.
CBD deshalb auf eigene Faust zur Behandlung einer Angststörung, chronischer Schmerzen oder einer Schlafstörung einzusetzen, lässt sich aus der bisherigen Evidenz nicht ableiten.
Im Februar 2026 veröffentlichte die EFSA eine aktualisierte Sicherheitsbewertung von CBD als Novel Food.
Die EFSA legte eine vorläufige sichere Aufnahmemenge von 0,0275 Milligramm CBD pro Kilogramm Körpergewicht und Tag fest. Für einen Erwachsenen mit 70 Kilogramm entspricht das ungefähr 2 Milligramm CBD täglich.
Die Zahl wirkt drastisch. Sie bedeutet jedoch weder, dass zwei Milligramm eine empfohlene Tagesdosis sind, noch dass höhere Mengen automatisch gesundheitsschädlich sind. Wegen der weiterhin bestehenden wissenschaftlichen Unsicherheiten hat die EFSA bei ihrer Berechnung einen zusätzlichen Sicherheitsfaktor berücksichtigt.
Außerdem gilt die vorläufige Grenze nur für bestimmte Nahrungsergänzungsmittel mit CBD von mindestens 98 Prozent Reinheit, ohne Nanopartikel und unter weiteren Voraussetzungen. Für Menschen unter 25 Jahren, Schwangere und Stillende sowie Personen, die Medikamente einnehmen, konnte die EFSA die Sicherheit von CBD nicht feststellen.
Dass CBD nicht berauscht, bedeutet zudem nicht, dass der Wirkstoff nebenwirkungsfrei ist.
Bekannt sind unter anderem Müdigkeit und Schläfrigkeit, Durchfall, verminderter Appetit sowie Veränderungen der Leberwerte. Aus der medizinischen Anwendung von Cannabidiol ist zudem bekannt, dass insbesondere bei höheren Dosierungen Leberprobleme auftreten können.
Relevant sind außerdem mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten. CBD kann Enzyme beeinflussen, die am Abbau verschiedener Arzneimittel beteiligt sind. Dadurch können sich deren Konzentrationen im Körper verändern. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte CBD daher nicht ohne ärztliche oder pharmazeutische Rücksprache verwenden. Gerade für diese Personengruppe konnte auch die EFSA in ihrer aktuellen Bewertung keine sichere Aufnahmemenge festlegen.
Die Unterscheidung zwischen einem zugelassenen Arzneimittel und frei angebotenen CBD-Produkten ist entscheidend. Ein CBD-Arzneimittel wird hinsichtlich Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit geprüft und für bestimmte medizinische Indikationen zugelassen. Ein CBD-Öl aus dem freien Handel ist damit nicht vergleichbar.
Misstrauisch machen sollten zudem konkrete Heilversprechen. Aussagen, CBD behandle beispielsweise Schmerzen, Angststörungen oder Schlafstörungen, dürfen bei einem gewöhnlichen Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel nicht einfach als medizinische Wirkung beworben werden.
Wer ein CBD-Produkt verwendet, sollte außerdem auf nachvollziehbare Angaben zu Hersteller, Zusammensetzung und CBD-Gehalt achten. Unabhängige Laboranalysen können Hinweise darauf geben, ob die angegebenen Mengen tatsächlich enthalten sind und ob das Produkt beispielsweise mit THC oder unerwünschten Stoffen belastet ist. Sie ersetzen jedoch weder eine Arzneimittelzulassung noch machen sie ein Produkt automatisch zu einem legalen Lebensmittel.
CBD ist pharmakologisch wirksam – und genau deshalb ist ein differenzierter Blick notwendig. Für bestimmte seltene Epilepsieformen ist Cannabidiol als Arzneimittel gut untersucht, für Schlafprobleme, Schmerzen oder Angst ist die Evidenz dagegen wesentlich schwächer. Gleichzeitig zeigt die neue EFSA-Bewertung, dass auch bei der Sicherheit noch wichtige Fragen offen sind. Wer CBD wegen konkreter Beschwerden einsetzen möchte oder regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte die Anwendung deshalb vorher medizinisch abklären.

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