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Lunch-Tipp beim ayurvedischen Fasten: eine leichte Gemüsesuppe
27. Januar 2026
Jana Ackermann
Dr. Annette Müller-Leisgang erklärt ayurvedisches Fasten: Wie ein monatlicher Fastentag Körper entgiftet, Energie steigert und Gesundheit fördert
Saftkuren, Basenfasten, Intervallfasten – Detox-Methoden boomen. Doch viele radikale Fastenkuren belasten den Körper mehr, als sie nutzen. Die Lösung? Ayurvedisches Fasten – eine jahrtausendealte, sanfte Methode, die Ihren Körper entgiftet, ohne ihn zu stressen. Dr. Annette Müller-Leisgang vom Ayurveda Institut München erklärt, wie bereits ein Fastentag pro Monat Ihre Gesundheit nachhaltig verbessern kann.
Fasten ist mehr als ein Wellness-Trend – es ist wissenschaftlich fundiert. Im Jahr 2016 erhielt der japanische Forscher Yoshinori Ohsumi den Medizin-Nobelpreis für seine bahnbrechenden Entdeckungen zur Autophagie, dem zellulärem Selbstreinigungsprogramm unseres Körpers.
Was ist Autophagie?
Bei der Autophagie – griechisch für "Selbstverdauung" – recycelt der Körper beschädigte Zellbestandteile und baut sie zu neuer Energie um. Dieser Prozess wird besonders dann aktiviert, wenn der Nachschub an Nährstoffen stockt, wie beim Fasten.
Die Vorteile der Autophagie:
Durch die Autophagie werden beschädigte Zellbestandteile abgebaut und recycelt, was zu einer regelrechten Zellverjüngung führt. Dieser Prozess verlangsamt nachweislich den Alterungsprozess und stärkt das Immunsystem. Gleichzeitig schützt die regelmäßige Aktivierung der Autophagie vor chronischen Erkrankungen und fördert die Gehirngesundheit – ein echter Anti-Aging-Effekt auf zellulärer Ebene.
Wichtig: Anders als radikale Nulldiäten aktiviert ayurvedisches Fasten die Autophagie sanft und nachhaltig.
Ayurveda bedeutet wörtlich "Wissenschaft des Lebens" und ist eine ganzheitliche Heilmethode aus Indien, die auf eine über 5.000-jährige Tradition zurückblickt. Im Zentrum steht die Harmonie von Körper, Geist und Seele.
Im Ayurveda wird jeder Mensch nach drei Doshas (Lebenskräften) kategorisiert:
1. Vata (Luft & Raum)
2. Pitta (Feuer & Wasser)
3. Kapha (Erde & Wasser)
„Im Ayurveda betrachten wir jeden Menschen individuell und ganzheitlich", erklärt Dr. Annette Müller-Leisgang, Gründerin des Ayurveda Institut München. „Je nach Stoffwechsellage und individueller Konstitution empfehlen sich unterschiedliche Fasten-Intervalle von einem Tag bis hin zu mehreren Tagen."
Beim ayurvedischen Fasten geht es nicht um Verzicht, sondern um bewusste Reinigung. Statt den Körper durch Nulldiäten zu stressen, wird er mit leicht verdaulicher Kost entlastet.
Anders als bei radikalen Fastenkuren wird im Ayurveda jeder Mensch individuell nach seiner Dosha-Konstitution behandelt. Die Entgiftung erfolgt sanft und ohne Hungergefühl – statt auf Nullkalorien zu setzen, wird der Körper mit leicht verdaulicher Kost versorgt. Dieser ganzheitliche Ansatz berücksichtigt nicht nur den Körper, sondern auch Geist und Seele, was zu nachhaltigen Ergebnissen führt statt nur kurzfristigen Effekten.
Ayurveda-Empfehlung für alle Konstitutionen:
Ein ayurvedischer Fastentag bedeutet nicht kompletter Nahrungsverzicht, sondern Entlastung der Verdauungsorganedurch reduzierte, leicht verdauliche Kost.
Während des Fastens können Stoffwechselschlacken ausgeschieden werden, die sich im Körper ansammeln. Diese Ablagerungen entstehen nicht nur durch verarbeitete Lebensmittel, Zucker und Alkohol, sondern auch durch Umweltgifte. Hinzu kommen chronischer Stress und Bewegungsmangel, die den Körper zusätzlich belasten und die Ansammlung von Toxinen begünstigen.
Start mit Kräutertee
💡 Tipp: Trinken Sie den Tee warm, nicht heiß – das unterstützt die Verdauung optimal.
Hauptmahlzeit: Gemüsesuppe oder Mung-Dal
Option 1: Ayurvedische Gemüsesuppe
Option 2: Mung-Dal mit Gemüse
Wichtig: Gut kauen! Mindestens 20-30 Mal pro Bissen – das unterstützt die Verdauung massiv.
Leichte Gemüsebrühe
💡 Warum keine feste Nahrung am Abend?
Der Körper kann sich in der Nacht vollständig auf Regeneration und Entgiftung konzentrieren, statt Energie in die Verdauung zu stecken.
Flüssigkeitszufuhr:
Bereits nach einem einzigen ayurvedischen Fastentag berichten viele Menschen von einem sofortigen Gefühl der Leichtigkeit. Die Verdauungsorgane – Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse und Darm – werden spürbar entlastet, was sich in den Folgetagen durch eine bessere Verdauung bemerkbar macht. Völlegefühl und Blähungen nehmen ab, der Körper fühlt sich regelrecht gereinigt an.
Auch mental zeigen sich schnell positive Effekte: Frische Energie und Klarheit im Geist stellen sich ein, die Konzentration verbessert sich merklich. Viele berichten zudem von besserem Schlaf und einer inneren Ruhe und Ausgeglichenheit, die über den Fastentag hinaus anhält.
„Wenn der Lebensstil über den Fastentag hinaus ebenfalls ausgewogen und gesund ist, bringt der regelmäßige Fastentag eine dauerhafte Leichtigkeit im Körper", erklärt Dr. Annette Müller-Leisgang.
Langfristige Vorteile:
„Wenn der Lebensstil über den Fastentag hinaus ebenfalls ausgewogen und gesund ist, bringt der regelmäßige Fastentag eine dauerhafte Leichtigkeit im Körper", erklärt Dr. Annette Müller-Leisgang. Die positiven Effekte gehen weit über das unmittelbare Wohlbefinden hinaus: Das Risiko für Blutdruckstörungen wird reduziert, Gelenkprobleme und Arthrose kann vorgebeugt werden. Auch das Diabetes-Risiko sinkt nachweislich, während der Körper bei der gesunden Gewichtsregulation unterstützt wird.
Auf zellulärer Ebene wird durch das regelmäßige Fasten die Autophagie aktiviert, jener Zellreinigungsprozess, der das Immunsystem stärkt und Alterungsprozesse verlangsamt. So wird ayurvedisches Fasten zu einem ganzheitlichen Anti-Aging-Programm für Körper und Geist.
Ein großer Vorteil des ayurvedischen Fastens: Es beeinflusst den weiblichen Zyklus NICHT negativ.
Radikale Detox-Kuren wie Nullkalorien-Fasten können die sensible Hormonbalance von Frauen erheblich stören. Sie lassen den Cortisolspiegel – das Stresshormon – in die Höhe schnellen und können sogar dazu führen, dass die Menstruation aussetzt. Was als gesunde Entgiftung gedacht ist, bedeutet für den weiblichen Körper oft zusätzlichen Stress, der mehr schadet als nutzt.
Der monatliche Fastentag nach Ayurveda ist für den Körper pure Regeneration statt Stress. Die leichte, warme Kost versorgt den Körper mit Nährstoffen, während die Verdauungsorgane entlastet werden.
💡 Tipp für Frauen: Planen Sie Ihren Fastentag nach der Menstruation – dann ist der Körper besonders aufnahmebereit für Reinigung.
„Wie und was wir essen, kann unsere Gesundheit nachhaltig beeinflussen", betont Dr. Annette Müller-Leisgang. Ein einzelner Fastentag ist wirkungsvoll – aber nur in Kombination mit einem gesunden Alltag entfaltet er sein volles Potenzial.
Die traditionelle ayurvedische Ernährung ist überwiegend vegetarisch und basiert auf:
Basis-Lebensmittel:
Die traditionelle ayurvedische Küche basiert auf vollwertigen, natürlichen Zutaten. Im Zentrum stehen Vollkorngetreide wie Basmati-Reis, Quinoa und Dinkel, ergänzt durch frisches, saisonales Gemüse und reifes Obst. Frische Kräuter und ayurvedische Gewürze verleihen den Speisen nicht nur Geschmack, sondern auch heilende Eigenschaften. Hochwertige Milchprodukte wie Milch und Ghee (geklärte Butter) sowie pflanzliche Öle aus Sesam oder Kokos runden die Nährstoffversorgung ab und liefern alle wichtigen Vitamine und Mineralien.
Die 6 Geschmacksrichtungen (Rasas):
Jede Mahlzeit sollte idealerweise alle 6 Geschmacksrichtungen enthalten:
Neben der Ernährung gehören zum ganzheitlichen Ayurveda-Ansatz:
„Das Überangebot an Nahrung in unserer modernen Welt führt grundsätzlich dazu, dass wir dazu neigen, zu viel zu essen", erklärt Dr. Müller-Leisgang.
Ihre Empfehlung:
„Ich empfehle, sich in allem etwas zu mäßigen" – nicht radikaler Verzicht, sondern bewusstes, maßvolles Genießen ist der Schlüssel zu nachhaltiger Gesundheit.
Der Schlüssel liegt darin, nur zu essen, wenn echter Hunger da ist – nicht aus Langeweile oder Gewohnheit. Füllen Sie Ihren Magen dabei nur zu etwa drei Vierteln, niemals bis zum Völlegefühl. Nehmen Sie sich mindestens 20 Minuten Zeit für jede Mahlzeit und kauen Sie jeden Bissen 20 bis 30 Mal gründlich durch.
Vermeiden Sie Ablenkungen wie Handy oder Fernseher beim Essen – Achtsamkeit ist ein zentraler Bestandteil der ayurvedischen Ernährung. Am wichtigsten ist es, auf die Signale Ihres Körpers zu hören: Er weiß intuitiv, was er braucht, wenn wir ihm die Aufmerksamkeit schenken, die er verdient.
Morgens:
Mittags (12:00-14:00 Uhr):
Abends (18:00-19:00 Uhr):
Den ganzen Tag:
Kann ich während des Fastentags Sport machen?
Leichte Bewegung wie Spaziergänge oder sanftes Yoga sind ideal. Vermeiden Sie intensive Workouts – der Körper braucht Energie für die Entgiftung.
Ist ayurvedisches Fasten für jeden geeignet?
Grundsätzlich ja, aber konsultieren Sie bei chronischen Erkrankungen, Schwangerschaft oder Essstörungen vorher einen Arzt oder Ayurveda-Therapeuten.
Wie oft sollte ich ayurvedisch fasten?
Empfohlen wird ein Fastentag pro Monat plus tägliches 14:10 oder 16:8 Intervallfasten.
Nehme ich durch ayurvedisches Fasten ab?
Gewichtsverlust kann ein positiver Nebeneffekt sein, steht aber nicht im Fokus. Ziel ist Entgiftung und Regeneration, nicht primär Abnehmen.
Was mache ich bei Hunger während des Fastentags?
Trinken Sie warmes Wasser oder Ingwertee. Bei starkem Hunger ist eine kleine Portion Gemüsebrühe erlaubt.
Kann ich den Fastentag auch während der Menstruation machen?
Ja, aber viele Frauen bevorzugen die Woche nach der Menstruation – der Körper ist dann besonders aufnahmebereit für Reinigung.
Welche Gewürze sind ayurvedisch empfohlen?
Kurkuma, Kreuzkümmel, Koriander, Ingwer, Fenchel, Kardamom, Zimt – sie wirken verdauungsfördernd und entzündungshemmend.
Muss ich mein Dosha kennen, um zu fasten?
Nein, der monatliche Fastentag ist für alle Konstitutionen geeignet. Für längere Fastenkuren empfiehlt sich eine individuelle Dosha-Bestimmung.
Ayurvedisches Fasten ist weit mehr als ein kurzfristiger Detox-Trend. Es ist eine jahrtausendealte, wissenschaftlich fundierte Methode, die Ihren Körper sanft reinigt, die Autophagie aktiviert und langfristig Ihre Gesundheit stärkt.
Die gute Nachricht: Bereits ein einziger Fastentag pro Monat reicht aus, um nachhaltige gesundheitliche Effekte zu erzielen. Diese sanfte Methode belastet den Körper nicht mit radikalen Einschränkungen, sondern unterstützt ihn behutsam bei seiner natürlichen Regeneration. Besonders für Frauen ist ayurvedisches Fasten ideal, da es hormonsicher ist und den weiblichen Zyklus nicht beeinträchtigt.
Der ganzheitliche Ansatz berücksichtigt Körper, Geist und Seele gleichermaßen und basiert auf der Nobelpreis-prämierten Forschung zur Autophagie. Dabei lässt sich die Methode individuell an jede Konstitution anpassen und entfaltet bei regelmäßiger Anwendung beeindruckende langfristige Gesundheitsvorteile – von verbesserter Verdauung über gestärktes Immunsystem bis hin zu einem verlangsamten Alterungsprozess.
Bereit für Ihren ersten Ayurveda-Fastentag?
Beginnen Sie noch diesen Monat – Ihr Körper wird es Ihnen danken!
Dr. med. Annette Müller-Leisgang ist Gründerin des Ayurveda Institut München und ausgebildete Ayurveda-Ärztin mit jahrzehntelanger Erfahrung in ganzheitlicher Medizin. Sie verbindet traditionelles Ayurveda-Wissen mit moderner wissenschaftlicher Forschung.