Yoga für den Herbst: Asanas gegen Verspannungen und Antriebslosigkeit

© Elina Fairytale

30. August 2025

Lena Sämann

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Yoga für den Herbst: Asanas gegen Verspannungen und Antriebslosigkeit

Mit gezielten Yoga-Übungen kraftvoll durch die dunkle Jahreszeit: Entdecken Sie wirksame Asanas und Atemtechniken, die Verspannungen lösen und neue Energie schenken

Der Herbst bringt nicht nur bunte Blätter und kühlere Temperaturen mit sich, sondern auch körperliche und mentale Herausforderungen. Viele Menschen kämpfen in dieser Jahreszeit mit Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich sowie einer zunehmenden Antriebslosigkeit. Yoga bietet hier eine ganzheitliche Lösung, die Körper und Geist gleichermaßen stärkt.

Warum der Herbst besondere Aufmerksamkeit braucht

Die Übergangszeit zwischen Sommer und Winter stellt unseren Organismus vor besondere Herausforderungen. Das veränderte Licht, sinkende Temperaturen und oft stressige Arbeitszeiten nach den Sommerferien führen zu charakteristischen Beschwerden:

  • Verspannungen durch vermehrtes Sitzen und unbewusste Schutzhaltungen gegen die Kälte
  • Energiemangel aufgrund des reduzierten Tageslichts
  • Mentale Erschöpfung durch die Umstellung auf den Herbstrhythmus
  • Schwaches Immunsystem als Folge der klimatischen Veränderungen

Die transformative Kraft des Herbst-Yoga

Yoga für den Herbst konzentriert sich auf zwei wesentliche Aspekte: das Lösen von körperlichen Blockaden und das Aktivieren der inneren Energiereserven. Durch gezielte Asanas, bewusste Atmung und meditative Elemente schaffen wir ein Gleichgewicht zwischen Entspannung und Aktivierung.

Wissenschaftliche Erkenntnisse

Studien zeigen, dass regelmäßige Yoga-Praxis die Produktion von Stresshormonen wie Cortisol reduziert und gleichzeitig die Ausschüttung von Endorphinen fördert. Besonders in den dunkleren Monaten kann dies einen entscheidenden Unterschied für unser Wohlbefinden machen.


Wirksame Asanas für den Herbst

1. Katze-Kuh (Marjaryasana-Bitilasana)

Diese fließende Bewegung mobilisiert die gesamte Wirbelsäule und löst Verspannungen im Rückenbereich.

Ausführung:

  • Beginnen Sie im Vierfüßlerstand
  • Beim Einatmen: Brust nach vorn, Blick nach oben (Kuh)
  • Beim Ausatmen: Rücken rund, Kinn zur Brust (Katze)
  • 8-10 fließende Wiederholungen

Wirkung: Verbessert die Wirbelsäulenbeweglichkeit und aktiviert das parasympathische Nervensystem.

2. Herabschauender Hund (Adho Mukha Svanasana)

Eine der kraftvollsten Asanas zur Ganzkörperdehnung und Energieaktivierung.

Ausführung:

  • Aus dem Vierfüßlerstand die Zehen aufstellen
  • Hüfte nach oben schieben, Beine strecken
  • Arme und Rücken bilden eine gerade Linie
  • 5-8 tiefe Atemzüge halten

Wirkung: Durchblutung wird gefördert, Schultern und Waden gedehnt, Geist erfrischt.

3. Drehsitz (Bharadvajasana)

Sanfte Wirbelsäulendrehungen lösen tiefsitzende Verspannungen und massieren die inneren Organe.

Ausführung:

  • Aufrechter Sitz mit gestreckten Beinen
  • Rechtes Knie beugen, Fuß neben linken Oberschenkel
  • Beim Einatmen aufrichten, beim Ausatmen nach rechts drehen
  • Hand hinter dem Körper abstützen
  • 5 Atemzüge pro Seite

Wirkung: Löst Verspannungen im unteren Rücken und regt die Verdauung an.

4. Krieger II (Virabhadrasana II)

Diese kraftvolle Standhaltung baut innere Stärke auf und bekämpft Antriebslosigkeit.

Ausführung:

  • Großer Ausfallschritt, vorderes Knie über dem Knöchel
  • Arme parallel zum Boden ausstrecken
  • Blick über die vordere Hand
  • 5-8 Atemzüge pro Seite

Wirkung: Stärkt Beine und Rumpf, fördert Konzentration und Selbstvertrauen.

5. Kamel (Ustrasana)

Diese Herzöffnung wirkt gegen die typische "Einigel-Haltung" des Herbstes.

Ausführung:

  • Kniestand mit aufgestellten Zehen
  • Hände an die Fersen legen
  • Brust nach vorn öffnen, Kopf entspannt
  • 3-5 tiefe Atemzüge

Wirkung: Öffnet Brustkorb und Schultern, hebt die Stimmung, aktiviert das Herz-Chakra.


Pranayama: Atemtechniken für mehr Energie

Ujjayi-Atmung (Siegreiche Atmung)

Diese Technik wärmt von innen und beruhigt gleichzeitig das Nervensystem.

Ausführung:

  • Durch die Nase ein- und ausatmen
  • Leichte Verengung der Kehle erzeugt sanften Ton
  • Gleichmäßiger, verlängerter Atem

Kapalabhati (Feueratem)

Aktiviert das Nervensystem und bringt schnell neue Energie.

Ausführung:

  • Aufrechte Sitzposition
  • Kraftvolle, kurze Ausatmung durch die Nase
  • Passive Einatmung
  • 20-30 Wiederholungen

Sequenz für den herbstlichen Alltag

Morgen-Routine (10 Minuten)

  1. Katze-Kuh (2 Minuten)
  2. Herabschauender Hund (1 Minute)
  3. Sonnengruß A (3 Runden)
  4. Krieger II (je 1 Minute pro Seite)
  5. Ujjayi-Atmung (2 Minuten)

Abend-Routine (15 Minuten)

  1. Drehsitz (je 2 Minuten pro Seite)
  2. Kamel (3 Mal für je 5 Atemzüge)
  3. Kindhaltung (3 Minuten)
  4. Rückenlage mit angewinkelten Beinen (5 Minuten)
  5. Meditation oder Yoga Nidra (2 Minuten)

Anpassungen für Herbst-Beschwerden

Bei akuten Nackenverspannungen

  • Sanfte Nackendrehungen im Sitzen
  • Schulterkreise rückwärts
  • Seitneigungen des Kopfes

Bei Antriebslosigkeit

  • Mehr stehende Asanas integrieren
  • Rückbeugen für Herzöffnung
  • Aktivierende Atemtechniken

Bei Erkältungsanzeichen

  • Sanfte, regenerative Praxis
  • Mehr Entspannungshaltungen
  • Warme Atemtechniken


Tipps für die Herbst-Praxis

Rahmenbedingungen schaffen:

Regelmäßigkeit:

  • Lieber täglich 10 Minuten als einmal wöchentlich 90 Minuten
  • Feste Zeiten etablieren (besonders morgens)
  • Praxis an die eigenen Bedürfnisse anpassen

Achtsamkeit:

  • Auf die Signale des Körpers hören
  • Sanfter üben als im Sommer
  • Mehr Zeit für Entspannung einplanen

Die Philosophie des Herbst-Yoga

Yoga für den Herbst folgt dem natürlichen Rhythmus der Jahreszeit. Wie die Natur sich auf den Winter vorbereitet, können auch wir diese Zeit der Transformation nutzen. Es geht nicht um Leistung, sondern um Hingabe an den Prozess des Loslassens und der inneren Einkehr.

Die Asanas helfen uns, sowohl körperlich als auch mental flexibel zu bleiben, während die Atemtechniken unser inneres Feuer nähren. So begegnen wir der Herbstzeit nicht als passive Opfer der Umstände, sondern als aktive Gestalter unseres Wohlbefindens.

Langfristige Vorteile der Herbst-Praxis

Eine regelmäßige Yoga-Praxis in den Herbstmonaten legt den Grundstein für ein starkes Immunsystem und emotionale Stabilität im Winter. Die entwickelte Körperwahrnehmung hilft dabei, frühe Anzeichen von Verspannungen oder Energiemangel zu erkennen und proaktiv zu handeln.

Darüber hinaus stärkt die bewusste Auseinandersetzung mit den saisonalen Veränderungen unsere Resilienz und Anpassungsfähigkeit – Qualitäten, die weit über die Yoga-Matte hinaus von Nutzen sind.