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17. Oktober 2026
Marianne Waldenfels
Die HPV-Impfung schützt vor Gebärmutterhalskrebs. Eine große schwedische Studie deutet nun auf einen weiteren möglichen Nutzen hin: Geimpfte Frauen brachten ihre Kinder seltener zu früh zur Welt. Besonders deutlich war der Zusammenhang, wenn die Impfung bereits im Jugendalter erfolgt war
Wer sein Kind mit zwölf Jahren gegen humane Papillomviren impfen lässt, denkt an Gebärmutterhalskrebs, vielleicht noch an Genitalwarzen. An eine Schwangerschaft, die womöglich erst zwei Jahrzehnte später beginnt, denkt kaum jemand. Genau dort aber könnte ein weiterer, bislang wenig beachteter Nutzen der Impfung liegen.
Darauf deutet eine Studie des Karolinska-Instituts in Stockholm hin, die Anfang Oktober 2026 im Fachjournal The BMJ erschienen ist. Das Team um Zhongsong Zhang und Jiayao Lei hat die schwedischen Gesundheitsregister ausgewertet: 624.713 erste Geburten aus den Jahren 2006 bis 2023, knapp 15 Prozent der Mütter waren vor der Schwangerschaft gegen HPV geimpft worden. Das Ergebnis: Bei ihnen kamen Kinder etwas seltener zu früh zur Welt.
HPV gehört zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. Meist heilt sie unbemerkt aus, manchmal aber setzt sich das Virus fest und verändert die Zellen am Gebärmutterhals. Diese Vorstufen werden oft operativ entfernt, etwa durch eine Konisation, bei der ein kleiner Gewebekegel herausgeschnitten wird. Der Gebärmutterhals wird dadurch kürzer – und das Risiko für eine spontane Frühgeburt kann danach etwa auf das Doppelte steigen.
Doch womöglich spielt auch das Virus selbst eine Rolle. Die Göteborger Gynäkologin Johanna Wiik zeigte 2021 in einer Auswertung von mehr als einer Million schwedischer Geburten (PLOS Medicine), dass schon eine HPV-Infektion kurz vor oder während der Schwangerschaft mit etwas mehr Frühgeburten einhergeht. Damals kündigte sie an, man werde bald sehen können, was die Impfprogramme daran ändern. Die neue Studie, an der mehrere ihrer damaligen Mitautoren beteiligt sind, ist gewissermaßen die Antwort darauf.
Geimpfte Frauen hatten ein um etwa fünf Prozent geringeres Risiko für eine Frühgeburt, bei sehr frühen Frühgeburten zwischen der 28. und 31. Woche lag der Unterschied bei 15 Prozent. Auch ein vorzeitiger Blasensprung und sehr kleine Babys waren seltener. Bei Totgeburten und der Sterblichkeit von Neugeborenen zeigte sich dagegen kein statistisch gesicherter Zusammenhang.
Die Unterschiede sind vergleichsweise klein. Auf Bevölkerungsebene könnten sie dennoch ins Gewicht fallen. Weil weltweit Millionen junger Menschen geimpft werden, könne schon eine kleine Senkung des Risikos viel bewirken, sagt Jiayao Lei in einer Mitteilung des Karolinska-Instituts.
Einen Hinweis auf das Warum liefern die Daten gleich mit: Hochgradige Zellveränderungen am Gebärmutterhals waren vor der Geburt bei 3,7 Prozent der ungeimpften, aber nur bei 0,6 Prozent der geimpften Frauen festgestellt worden. Wer geimpft ist, muss seltener operiert werden – und das könnte einen Teil des Effekts erklären.
Am klarsten fiel der Zusammenhang bei Frauen aus, die vor ihrem 17. Geburtstag geimpft worden waren. Ihr Risiko für eine Frühgeburt lag rund zehn Prozent niedriger, bei später Geimpften war der Effekt deutlich schwächer. Für Studienautor Zhang passt das zu dem, was man von der Impfung längst weiß: Sie schützt am besten, wenn sie vor dem ersten Kontakt mit dem Virus erfolgt.
So groß die Studie ist, sie beobachtet nur – sie beweist nicht. Geimpfte und ungeimpfte Frauen könnten sich in Dingen unterscheiden, die kein Register erfasst, etwa im Gesundheitsverhalten. Untersucht wurde zudem der ältere Vierfach-Impfstoff; inzwischen wird vielerorts ein Neunfach-Impfstoff eingesetzt. Und was in Schweden gilt, mit seinem eigenen Impfprogramm und seiner eigenen Geburtshilfe, lässt sich nicht eins zu eins übertragen.
Auch die bisherige Forschung ist nicht einheitlich. Studien aus Finnland und Dänemark kamen zu ähnlichen Ergebnissen, eine schottische Auswertung fand dagegen keinen Zusammenhang mit Frühgeburten. Gut belegt ist hingegen die Sicherheit: Eine dänische Studie mit rund 580.000 Schwangerschaften (New England Journal of Medicine 2017) fand selbst dann keine erhöhten Risiken, wenn Frauen versehentlich in einer noch unbemerkten Schwangerschaft geimpft worden waren.
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die HPV-Impfung für Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren, versäumte Impfungen sollen bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden. In Deutschland geschieht das zu selten: Laut einem Bericht der europäischen Gesundheitsbehörde ECDC sind nur rund 55 Prozent der 15-jährigen Mädchen vollständig geimpft. Portugal kommt auf 90 Prozent.
Auch Erwachsene können sich noch impfen lassen, der Schutz fällt dann aber geringer aus. In der Schwangerschaft selbst wird nicht geimpft, und die regelmäßige Krebsvorsorge bleibt in jedem Fall wichtig. Wer unsicher ist, bespricht das am besten mit der Kinderarzt- oder Frauenarztpraxis.
An der Empfehlung ändert die schwedische Studie nichts. Sie fügt ihr nur ein Argument hinzu, das bisher kaum jemand auf dem Zettel hatte: Eine Impfung im Kindesalter könnte noch Jahrzehnte später nachwirken – bei einem Kind, das es zum Zeitpunkt der Impfung noch gar nicht gibt.

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