
© Tara Winstead
26. Oktober 2023
PMC Redaktion
Die Angst vor dem Zahnarzt ist ein weit verbreitetes Phänomen. Jede:r Zehnte soll darunter leiden, aber darüber reden möchte kaum jemand. Wie Sie mit der Angst umgehen können und wie Ihr Arzt Sie dabei unterstützt
Die Angst vor dem Zahnarzt kann fatale Folgen haben: Wer sich aus Angst vor dem Bohrer nicht regelmäßig um die Gesundheit seiner Zähne kümmert, verpasst nicht selten den guten Moment, um Schäden an den Zähnen oder andere Erkrankungen im Mundraum frühzeitig zu beseitigen. So kann es zu massiven Problemen und großen, nur schwer reparablen Schäden an Zähnen, Zahnfleisch und Kiefer kommen.
Sie sind nicht allein: Schätzungen zufolge leiden etwa 60-80% der Deutschen unter einem gewissen Unbehagen beim Zahnarztbesuch, während circa 5-10% der Bevölkerung unter einer ausgeprägten Dentalphobie leiden. Die gute Nachricht ist, dass es heute zahlreiche wirksame Methoden gibt, um diese Angst zu überwinden.
Zahnarztangst, medizinisch als Dentalphobie oder Dentophobie bezeichnet, ist mehr als nur ein leichtes Unbehagen. Es handelt sich um eine ausgeprägte Angststörung, die Betroffene davon abhält, notwendige zahnmedizinische Behandlungen wahrzunehmen.
Angstpatienten erleben häufig verschiedene körperliche und psychische Symptome:
Diese Reaktionen sind keine Schwäche, sondern eine natürliche Stressreaktion des Körpers auf eine als bedrohlich empfundene Situation.
Die sogenannte Dentalphobie ist in vielen Fällen auf ein oder mehrere traumatische Erlebnisse der Patienten während einer Zahnbehandlung zurückzuführen – schon während der Kindheit, aber auch als junge Erwachsene. Körperliche Schmerzen müssen dabei nicht unbedingt aufgetreten sein, es reicht oft allein das Gefühl der Hilflosigkeit und der Glaube, dem Bohrer und den anderen Instrumenten des Zahnarztes ausgeliefert zu sein.
Die Gründe für Zahnarztangst sind vielfältig und individuell:
Negative Vorerfahrungen: Schmerzhafte Behandlungen in der Kindheit oder Jugend prägen das Unterbewusstsein nachhaltig. Besonders Erlebnisse, bei denen sich Patienten nicht ernst genommen fühlten, hinterlassen tiefe Spuren.
Kontrollverlust: Das Gefühl, in der Behandlungssituation ausgeliefert zu sein und keinen Einfluss auf das Geschehen zu haben, verstärkt die Angst erheblich. Die liegende Position auf dem Behandlungsstuhl und die räumliche Nähe des Zahnarztes können dieses Gefühl noch intensivieren.
Schamgefühle: Viele Patienten schämen sich für den Zustand ihrer Zähne und fürchten Vorwürfe oder abwertende Kommentare. Diese Scham wird oft durch lange Behandlungspausen noch verstärkt.
Übertragene Ängste: Manchmal übernehmen Kinder die Zahnarztangst ihrer Eltern, selbst wenn sie keine eigenen negativen Erfahrungen gemacht haben. Auch dramatische Erzählungen anderer können Ängste auslösen.
Sensible Reizverarbeitung: Manche Menschen reagieren besonders empfindlich auf Geräusche, Gerüche oder taktile Reize. Das typische Surren des Bohrers oder der charakteristische Praxisgeruch können bereits Angstreaktionen auslösen.
So ist es die Fantasie, die regelrechte Horrorvorstellungen und chronische Angstzustände entstehen lässt. Kommt dann noch das Gefühl hinzu, vor und während der Behandlung mit diesen Problemen nicht ernst genommen zu werden, verweigern viele Angstpatienten den Zahnarztbesuch dauerhaft.
Unbehandelte Probleme im Mundraum können mit der Zeit zu schwerwiegenden Schädigungen führen, die nicht nur die Zähne betreffen, sondern auch die gesamte Gesundheit. So können sich die Erreger einer eitrigen Infektion im Bindegewebe der Mundregion oder im Kieferknochen auch auf andere Körperregionen ausbreiten.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Chronische Entzündungen im Mundraum können das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen. Bakterien aus dem Mundraum gelangen über die Blutbahn in den gesamten Körper und können dort Entzündungsprozesse auslösen.
Diabetes: Das Risiko für eine Diabetes-Erkrankung steigt deutlich, wie zwischenzeitlich wissenschaftlich bewiesen wurde. Gleichzeitig erschwert Diabetes die Wundheilung im Mundraum, wodurch ein Teufelskreis entsteht.
Chronische Schmerzen: Unbehandelte Zahnprobleme führen zu anhaltenden Schmerzen, die die Lebensqualität erheblich einschränken. Kopfschmerzen, Kiefergelenksprobleme und Verspannungen können die Folge sein.
Verdauungsprobleme: Durch schlechte Zähne wird die Nahrung nicht mehr richtig zerkaut, was zu Verdauungsbeschwerden führen kann.
Knochenabbau: Fortgeschrittene Parodontitis kann zum Verlust von Zähnen und zum Abbau des Kieferknochens führen, was spätere Behandlungen erheblich kompliziert.
Neben den gesundheitlichen Gefahren bringt fehlende Mundgesundheit natürlich auch ästhetische Probleme mit sich. Kein Mensch zeigt gerne ein Lächeln, das unschöne Zahnlücken oder verfärbte Zähne präsentiert. Im Gegenteil: Schlechte Zähne führen zu Schamgefühlen und Hemmungen beim Kontakt mit anderen.
Viele Betroffene wagen es kaum noch, offen und unbefangen mit anderen Menschen zu lachen und zu kommunizieren. Mangelhafte Zahnhygiene verursacht zudem üblen Mundgeruch, erschwert gute soziale Kontakte und kann auf diese Weise leicht das komplette Alltagsleben beeinträchtigen. Es gibt sogar Menschen, die infolge ihrer schadhaften Zähne soziale Ängste entwickeln und sich kaum noch unter Leute trauen.
Berufliche Nachteile: Ein ungepflegtes Gebiss kann die Karrierechancen beeinträchtigen, besonders in Berufen mit viel Kundenkontakt.
Rückzug und Isolation: Die Scham über den Zahnzustand kann zu sozialem Rückzug und im schlimmsten Fall zu Depressionen führen.
Der erste Schritt, um die Zahnarztangst zu besiegen, ist darüber zu reden. Mit dem Partner, am besten aber mit dem Zahnarzt selbst. So ein Gespräch passt natürlich nicht so gut, wenn man bereits auf dem Behandlungsstuhl sitzt. Aber was spricht dagegen, im ersten Schritt keinen Termin zur Behandlung, sondern für ein Gespräch mit dem Arzt zu vereinbaren? Wer sich dazu durchringt, eine Zahnarztpraxis zu betreten, hat den Anfang gemacht.
Die Wahl des richtigen Zahnarztes ist entscheidend für den Behandlungserfolg. Spezialisierte Praxen für Angstpatienten zeichnen sich durch besondere Merkmale aus:
Erfahrung mit Angstpatienten: Die Zahnärzte von Premium Kliniken & Praxen besitzen große Erfahrung im Umgang mit Angstpatienten. Das fängt schon beim Empfang an. Viele Praxen zeichnen sich durch ihre freundliche Atmosphäre und Einrichtung aus.
Angenehme Praxisatmosphäre: Manche Zahnärzte sorgen sogar ganz absichtlich dafür, dass es in ihrer Praxis keinen typischen Zahnarztgeruch gibt. Die Praxismitarbeiter sind zugewandt und persönlich, die Wartezeiten auf ein Minimum verkürzt.
Einfühlsame Kommunikation: Diese Zahnärzte wissen, dass die Zahnarztangst keine Schwäche, sondern sehr menschlich ist. In einem vertrauensvollen Gespräch helfen diese Fachleute den Patienten, die Ursachen der Phobie zu ergründen und gemeinsam Wege zu finden, um sie zu überwinden.
Zeit für ausführliche Gespräche: Gute Zahnärzte für Angstpatienten nehmen sich Zeit für ein Kennenlerngespräch ohne Behandlungsdruck.
Je konkreter der Zahnarzt die Ängste und Befürchtungen seiner Patienten kennt, desto schneller und zielführender kann er ihm helfen. Oft sind es vermeintlich banale oder nebensächliche Handicaps, die den Angstpatienten quälen: das Geräusch des Bohrers, der Anblick des Untersuchungsbestecks, vielleicht auch ein nicht zu unterdrückender Würgereiz bei der Behandlung, aber auch die Angst, dass die schmerzstillende Spritze nicht wirkt.
Schrittweise Heranführung: Beginnen Sie mit einfachen Terminen wie einer professionellen Zahnreinigung, bevor komplexere Behandlungen anstehen.
Transparente Aufklärung: Lassen Sie sich jeden Behandlungsschritt genau erklären. Was der Zahnarzt vorhat, warum es notwendig ist und wie es ablaufen wird.
Stopp-Signale vereinbaren: Das Wissen, nicht hilflos der Behandlung ausgeliefert zu sein, sondern jederzeit den Ablauf unterbrechen zu können, ist von unschätzbarem Vorteil. Psychologisch besonders wichtig ist das Vereinbaren bestimmter Signale wie Handzeichen, mit denen der Patient aufkommende Panik signalisieren kann.
Begleitperson mitbringen: Eine vertraute Person an der Seite zu haben, gibt vielen Patienten zusätzliche Sicherheit.
Ablenkungstechniken: Musik über Kopfhörer, Visualisierungsübungen oder Stressbälle können helfen, sich von der Behandlung abzulenken.
Auch die Aufklärung über individuell steuerbare moderne Narkosemethoden hilft Angstpatienten enorm. Zu wissen, dass von der leichten lokalen Betäubung bis hin zur Vollnarkose für jede Behandlungsart zuverlässig wirkende Anästhesiemöglichkeiten eingesetzt werden, vermittelt Sicherheit.
Lokalanästhesie: Die klassische örtliche Betäubung durch eine Spritze schaltet Schmerzen zuverlässig aus. Moderne, dünne Nadeln und langsame Injektionstechniken machen die Betäubung nahezu schmerzfrei.
Analgosedierung (Dämmerschlaf): In vielen Fällen hat sich die sogenannte Analgosedierung bewährt, eine Art Dämmerschlaf, der Patienten in einen entspannten und angstfreien Zustand versetzt. Sie sind dabei bei Bewusstsein, aber tiefenentspannt und nehmen die Behandlung kaum wahr.
Lachgas-Sedierung: Lachgas wirkt schnell, ist gut steuerbar und wird nach der Behandlung rasch abgebaut. Patienten bleiben ansprechbar, fühlen sich aber wohlig entspannt.
Vollnarkose: Bei ausgeprägter Angst oder umfangreichen Eingriffen kann eine Vollnarkose sinnvoll sein. Sie erfolgt unter ständiger Überwachung durch einen Anästhesisten.
Hypnose: Einige spezialisierte Zahnärzte bieten Hypnose als sanfte Alternative zu medikamentöser Sedierung an.
Die Wahl der richtigen Methode hängt von der individuellen Angstausprägung, der geplanten Behandlung und dem Gesundheitszustand des Patienten ab.
Viele erfahrene Zahnärzte von Premium Kliniken & Praxen kennen zudem leicht erlernbare Entspannungs- und Atemtechniken, mit denen sich die Angstreflexe Schritt für Schritt abbauen lassen.
Atemübungen: Tiefe, ruhige Bauchatmung aktiviert den Parasympathikus und wirkt beruhigend. Atmen Sie vor und während der Behandlung bewusst langsam und tief.
Progressive Muskelrelaxation: Durch gezieltes An- und Entspannen verschiedener Muskelgruppen lösen sich Verspannungen. Oft lassen sich bereits durch einfache Maßnahmen und Techniken nicht nur mentale Barrieren beseitigen, sondern auch unbewusst entstehende Muskelverkrampfungen lösen. Dann kommt zur psychischen auch die physische Entspannung hinzu.
Imaginationsübungen: Stellen Sie sich einen sicheren, angenehmen Ort vor, an dem Sie sich wohlfühlen. Diese mentale Reise kann während der Behandlung Ablenkung bieten.
Achtsamkeitsübungen: Konzentrieren Sie sich auf den gegenwärtigen Moment, ohne ihn zu bewerten. Dies kann helfen, Angstspiralen zu durchbrechen.
Niemand sollte sich zudem scheuen, Hilfe durch psychologisch geschulte Fachleute in Anspruch zu nehmen. Bei ausgeprägter Dentalphobie können folgende Therapieformen helfen:
Kognitive Verhaltenstherapie: Diese Therapieform hat sich bei Angststörungen besonders bewährt. Sie hilft, negative Gedankenmuster zu erkennen und zu verändern.
Expositionstherapie: Durch schrittweise Konfrontation mit der angstauslösenden Situation verliert diese allmählich ihren Schrecken.
EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing): Diese Methode kann helfen, traumatische Zahnarzt-Erlebnisse zu verarbeiten.
Hypnotherapie: In Hypnose lassen sich positive Erfahrungen verankern und Ängste reduzieren.
Wer regelmäßig zur Kontrolle und professionellen Zahnreinigung geht, vermeidet große Eingriffe. Diese Routine-Termine sind deutlich weniger angstbesetzt als Behandlungen bei akuten Problemen.
Jeder erfolgreiche Zahnarztbesuch, bei dem nichts Schlimmes passiert, schwächt die Angst. Feiern Sie diese kleinen Erfolge bewusst.
Durch gründliches Zähneputzen, Zahnseide und Mundspülungen können Sie viele Probleme verhindern und die Behandlungszeit beim Zahnarzt minimieren.
Viele Angstpatienten fragen sich, ob die Krankenkasse die Kosten für spezielle Behandlungsmethoden übernimmt.
Grundbehandlung: Die regulären zahnärztlichen Leistungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Sedierung und Narkose: Die Kostenübernahme für Analgosedierung oder Vollnarkose bei Angstpatienten ist unterschiedlich geregelt. Oft ist ein Antrag mit ärztlichem Attest notwendig. Private Krankenversicherungen übernehmen diese Kosten meist großzügiger.
Psychotherapie: Eine Verhaltenstherapie bei Dentalphobie wird in der Regel von den Krankenkassen bezahlt, wenn sie von einem approbierten Psychotherapeuten durchgeführt wird.
Klären Sie die Kostenübernahme am besten vor Behandlungsbeginn mit Ihrer Krankenkasse ab.
Zahnarztangst ist weit verbreitet und kein Grund für Scham. Mit den richtigen Strategien, einem einfühlsamen Zahnarzt und gegebenenfalls professioneller Unterstützung lässt sich die Angst Schritt für Schritt überwinden. Der erste Schritt ist oft der schwerste, aber auch der wichtigste: Sprechen Sie über Ihre Angst und suchen Sie sich Hilfe.
Ihre Zahngesundheit ist es wert, denn gesunde Zähne bedeuten Lebensqualität, Gesundheit und ein selbstbewusstes Lächeln. Moderne Behandlungsmethoden, sanfte Narkoseverfahren und spezialisierte Zahnärzte für Angstpatienten machen es heute möglich, auch mit ausgeprägter Dentalphobie eine gute zahnmedizinische Versorgung zu erhalten.
Die erfahrenen Zahnärzte des Premium Medical Circle helfen Ihnen gerne, falls Sie Angst vor Ihrem nächsten Zahnarztbesuch haben.