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PROF. UTZSCHNEIDER | ORTHO CONCEPT
In der Endoprothetik beschäftigte sich Prof. Dr. Sandra Utzschneider viele Jahre mit künstlichen Gelenken – als Ärztin und als Wissenschaftlerin. Als sie in die Kinderorthopädie wechselte, faszinierte sie vor allem eines: Hier konnte sie die Entwicklung ihrer Patientinnen und Patienten über Jahre verfolgen und Behandlungen immer wieder daran ausrichten. Manche kennt sie seit dem Säuglingsalter. Sie kamen zunächst zu ihr ins Universitätsklinikum Großhadern, später in die Praxis, in der sie angestellt war, und schließlich in ihre eigene Praxis Ortho Concept in der Münchner Innenstadt.
Prof. Dr. Utzschneider ist Fachärztin für Orthopädie mit zusätzlicher Qualifikation in Kinderorthopädie. Rund 60 Prozent ihrer Patientinnen und Patienten sind Kinder und Jugendliche, sie behandelt aber ebenso Erwachsene.
Das Spannende und Herausfordernde bei der Kinderorthopädie ist die Zeitkomponente. Deshalb muss sie bei Therapieentscheidungen immer weiter denken. „Ein Kind wächst und dadurch können sich Befunde ändern – zum Guten wie zum Schlechten“, erklärt sie. „Also muss ich abwägen, ob die Entscheidung, die ich heute treffe, auch für die Zukunft richtig ist. Entsprechend muss die Therapie kontrolliert und ständig angepasst werden.“
In der Praxis stellt sich oft die Frage: Was gehört zur normalen Entwicklung, was sollte kontrolliert werden, was beeinträchtigt die Funktion und wo ist eine Therapie sinnvoll? Ein nach innen gerichteter Gang etwa bessert sich bei vielen Kindern im Laufe des Wachstums. Bei anderen muss geklärt werden, ob die Ursache in der Hüfte liegt. Oder ob eine neurologische oder chronische Erkrankung vorliegt, die auch orthopädische Symptome hervorruft und eine interdisziplinäre Betreuung erfordert. Utzschneider bezieht dabei Eltern, Kinderärztinnen und Kinderärzte sowie Physiotherapie eng ein; bei Bedarf auch weitere Fachleute aus Ergotherapie und Orthopädietechnik. Sie hat für jede Disziplin die richtigen Ansprechpartner – ein Netzwerk von Spezialisten, das sie sich über die Jahre aufgebaut hat. Denn: „Wichtig ist, dass alle das gleiche Ziel verfolgen.“
„Manche in meiner Praxis habe ich schon als Baby betreut - jetzt sind sie mittlerweile 18. Es ist schön, sie auf ihrem Weg begleiten zu können. “
Prof. Dr. Sandra Utzschneider
Ein häufiges Thema in ihrer Praxis sind Haltungsschwächen, die, so ihr Eindruck, bei Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben. Ob und wann sie therapiert werden muss, hängt unter anderem vom Alter, der körperlichen Aktivität der Kinder oder davon ab, ob auch eine Skoliose vorliegt.
Die Verkrümmung der Wirbelsäule gehört zu ihren Spezialgebieten - dazu steht sie auch mit internationalen Netzwerken in Kontakt. Früher eine typische Erkrankung bei Mädchen, beobachtet sie, dass sie inzwischen immer häufiger auch bei Jungen auftritt. Und: Die Hauptkurven scheinen sich zu verändern, Richtung Brustwirbelsäule. Eine wissenschaftlich belegte Erklärung dafür gäbe es (noch) nicht, aber die Vermutung, dass es mit zunehmender Handynutzung und zu langem statischem Sitzen zusammenhängen könnte.
„Die Reizzone in der Kinderorthopädie ist der pubertäre Wachstumsschub“, erklärt Prof. Dr. Utzschneider. „In dieser Phase kann sich eine Skoliose stark verändern. Und auch die Möglichkeiten, mit einer Behandlung Einfluss darauf zu nehmen, hängen davon ab, wie viel Wachstum noch zu erwarten ist.“ Kontrolltermine sind daher ein wichtiger Teil der Betreuung. Ihr Anspruch ist, Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen und Familien zugleich Sicherheit zu geben, wenn zunächst Beobachten ausreicht.
Utzschneider wünscht sich deshalb mehr orthopädische Vorsorgemöglichkeiten. Ein Weg, der sich für die Zukunft auszahlen würde, gerade in der Kinderorthopädie. Das hilft nicht nur den Kindern, sondern bewahrt sie auch im Erwachsenenalter vor Folgeschäden. Veränderungen an Rücken oder Beinachsen tun erstmal nicht weh und können so leicht übersehen werden. Früh erkannt könne man, wenn nötig, bis zum Ende des Wachstums eine sogenannte Wachstumslenkung machen – eine vergleichsweise kleine operative Korrektur, die im Erwachsenenalter ein erheblich größerer Eingriff würde. Ihr geht es darum, diese Möglichkeit nicht zu verpassen.
Auch im Alltag kann vorgesorgt werden, um Folgeschäden zu vermeiden. Nachdem Schulsport meist nicht ausreicht, sollten Kinder und Jugendliche zweimal in der Woche Sport machen. Empfehlenswert sind Sportarten, die das Core trainieren, wie Bouldern, Schwimmen, Selbstverteidigungssport, Yoga oder Tanzen.
„Kinder wachsen, dadurch ändern sich Befunde. Deshalb muss ich immer abwägen, ob die Entscheidung, die ich heute treffe, auch für die Zukunft richtig ist.“
Prof. Dr. Sandra Utzschneider
Den genauen Blick auf Befunde und Entwicklungen hat Utzschneider auch in der Wissenschaft geschärft. Die gebürtige Garmisch-Partenkirchenerin wechselte nach ihren ersten Berufsjahren in der Endoprothetik des Garmischer Krankenhauses ans Universitätsklinikum München Großhadern. Dort baute sie eine Forschungsgruppe im Bereich der Endoprothetik auf. Als erste Frau habilitierte sie sich an der Ludwig-Maximilian-Universität München im Fach Orthopädie. Für ihre Arbeiten erhielt sie 2011 den Wissenschaftspreis der Association for Orthopaedic Research (AFOR) und 2012 den renommierten Themistocles-Gluck-Preis für Endoprothetik der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. Später wurde sie zur außerplanmäßigen Professorin ernannt.
Der Abschied von der Universität fiel ihr nicht leicht. Die Forschung bedeutete ihr viel, war aber auch zeitaufwändig und intensiv – für eine Mama mit damals noch kleinen Zwillingen. Nach dem Wechsel in die Kinderorthopädie hatte sie außerdem gemerkt, wie gern sie Patientinnen und Patienten über längere Zeit betreut, nicht nur zur OP. Zunächst ging sie als angestellte Ärztin in eine Praxis. Dass sie später selbst eine gründen würde, hatte sie damals nicht geplant. Heute schätzt sie die Freiheit, ihre Arbeit selbst zu gestalten. Dabei unterstützen sie ein Team, das aus einem Kollegen in Teilzeit, zwei MFAs und drei Medizinstudenten besteht. Der Forschung ist sie weiterhin durch Gutachter- und Lehrtätigkeit, ihr Engagement im Wissenschaftsboard und im Vorstand der kinderorthopädischen Fachgesellschaft sowie ihre internationalen Kontakte verbunden.
„Mein Therapieansatz ist multidisziplinär und ich beziehe die Lebensumstände immer mit ein.“
Prof. Dr. Sandra Utzschneider
Auch wenn Kinder den Schwerpunkt in der Praxis bilden, sind auch Erwachsene gut bei Prof. Dr. Utzschneider aufgehoben. In der Beratung bei Gelenk- und Rückenschmerzen kommt ihr ihre Erfahrung in der Endoprothetik und ihre langjährige Tätigkeit an der Universitätsklinik zugute. Auch hier ist nichts eindimensional. „Ich habe einen multidisziplinären Therapieansatz und plane die Lebensumstände immer mit ein.“ Bewegung, Belastungen im Alltag oder bisherige Therapien gehören hier ebenso zum Bild wie die schmerzende Stelle. Außer dem mobilen Ultraschall und dem C-Bogen-Röntgengerät bietet sie Plasmatherapie, die 4D-Wirbelsäulenvermessung, die elektronische Fußdruckmessung oder die videooptische Beinachsvermessung für Groß und Klein an. Daraus entsteht ein Behandlungsplan mit mehreren Bausteinen – von Physiotherapie, über präzisionsgefertigte Einlagen bis hin zu radiologisch gestützten punktgenauen Injektionen bei Erwachsenen. Wird eine Operation beim Erwachsenen zum Thema, vermittelt sie an Spezialistinnen und Spezialisten aus ihrem sorgfältig kuratierten Netzwerk.
Was sie immer wieder antreibt? Menschen dabei helfen zu können, die richtige Entscheidung für ihre Behandlung zu treffen – und sie auf dem Weg individuell begleiten. Um irgendwann zu sagen: „Jetzt haben wir es geschafft.“