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„Das Schönste ist, wenn die Patienten hier rausgehen und wissen: Jetzt wird alles gut“, sagt Prof. Dr. Hendrik Wolff. Denn, wer zu ihm kommt, hat eine schwierige Diagnose - und Angst – Angst vor dem Tumor, vor der Strahlung und davor, ob und wie es weitergeht. Und diese Angst in Zuversicht umzuwandeln und seinen PatientInnen einen klaren Weg aufzuzeigen, ist für den Facharzt für Strahlentherapie das Wichtigste.
Seit vielen Jahren trieb ihn dabei eine Frage um: Wie lässt sich Krebs präziser behandeln und gleichzeitig umliegendes gesundes Gewebe besser schützen? Die Antwort darauf gibt jetzt eine Technologie, die Prof. Dr. Wolff als Quantensprung bezeichnet: Online-adaptive Strahlentherapie kombiniert mit stereotaktischer Radiochirurgie.
Das bedeutet: Mit der neuen Technologie kann vor jeder Bestrahlung analysiert werden, ob der Tumor sich verändert oder ein Organ sich verschoben hat. Entsprechend kann der Bestrahlungsplan unmittelbar für jede Behandlung angepasst werden. Gleichzeitig überwacht das System jede Bewegung während der Behandlung mit einer Genauigkeit von unter einem Millimeter. So kann wesentlich präziser bestrahlt und gesundes Gewebe deutlich besser geschont werden.
Prof. Dr. Wolff zählt zu den ersten Ärztinnen und Ärzten in Deutschland, die diese CT-basierte Online Adaptive Radiotherapie (ART) in Kombination mit der hochpräzisen stereotaktischen Lagerung in der klinischen Routine etabliert haben. Mit LIFE BEAM, dem Zentrum für online-adaptive Strahlentherapie und Radiochirurgie mit Sitz im Klinikum Schwabing, hat er für die Radiologie München eine moderne Unit aufgebaut, die diese Zukunftstechnologie auch im ambulanten Bereich verfügbar macht. Herzstück ist der „Elekta Evo“, der derzeit modernste verfügbare Linearbeschleuniger mit der Überwachungstechnik und Software der Firma Brainlab. In einem Setting, das er liebevoll „Raumschiff Enterprise“ nennt.
„Wir wollen nicht nur auf den Knopf eines Gerätes drücken, sondern uns um die PatientInnen kümmern.“
Prof. Dr. med. Hendrik Wolff
Als Wolff seine Facharztausbildung begann, war eine Strahlentherapie, die sich während jeder Behandlung an den Patienten anpasst, noch Zukunftsmusik. Der Behandlungsplan wurde einmal festgelegt - Markierungen auf der Haut angebracht - und über Wochen unverändert durchgeführt. Auch Lage und Anatomie konnte nicht in Echtzeit überwacht werden: Das führte zu Ungenauigkeiten, wenn sich der Patient bei der Behandlung bewegte, der Tumor oder z.B. die Füllungszustände (Luft, Harn oder Stuhl) sich veränderten. Zudem waren viele Behandlungen mit nur kleinen Strahlen-Dosen (bis zu 39 Tage) erforderlich, um Nebenwirkungen an umliegenden Geweben in Grenzen zu halten.
Die neue komplett markerlose Technologie eröffnet völlig neue Möglichkeiten: Der Tumor kann nicht nur präziser bestrahlt werden. Gesundes Gewebe und umliegende Organe bekommen deutlich weniger bis keine Strahlung ab. Gleichzeitig lässt sich die Zahl der Behandlungen deutlich reduzieren. Das heißt: Weniger Belastung, kürzere Zeit in der Klinik und mehr Lebensqualität während der Therapie, weil sie sich auch besser in den Alltag einfügt.
Die Zahlen sprechen für sich: Bei einer Hirnmetastase wird heute häufig nur noch eine einzige Behandlung, statt einer Serie von zehn bis fünfzehn Fraktionen, benötigt - und das gesunde Hirn wird nahezu nicht belastet. Bei Prostatakrebs konnte die Zahl der Sitzungen von 39 auf teilweise nur noch fünf reduziert werden. Und bei Lungenmetastasen ist statt acht bis zehn Fraktionen ebenfalls oft nur noch eine nötig. Denn hier erhöht das sogenannte Atemgating, eine submillimetergenaue Echtzeiterfassung der Atembewegungen, zusätzlich die Genauigkeit. Und: Über den Atem lässt sich der LINAC (Linearbeschleuniger) sogar von den PatientInnen selbst steuern. „Ein nicht zu unterschätzender psychologischer Effekt“, berichtet Prof. Dr. Wolff. „Denn so können PatientInnen selbst etwas dazu beitragen, um gesund zu werden.“
Man muss immer vom Ende herdenken: Was nützt es dem Patienten? Wie viel Kraft kann er investieren? Was macht das mit seiner Lebensqualität?“
Prof. Dr. med. Hendrik Wolff
Trotz aller Begeisterung für die Technik bleibt für ihn entscheidend, was sie dem einzelnen Menschen bringt. „Man muss immer vom Ende herdenken: Was nützt es dem Patienten? Wie viel Kraft kann er investieren? Was macht das mit seiner Lebensqualität?“, so Prof. Dr. Wolff. „Denn, nur weil man etwas machen kann, heißt das nicht, dass es immer das Beste ist.“
Deshalb nimmt er sich viel Zeit für das erste Gespräch mit den PatientInnen, die zu ihm kommen, nachdem im regelmäßig stattfindenden interdisziplinären Tumorboard eine Strahlentherapie indiziert wurde. Hier wird erstmal in Ruhe alles besprochen. Dann wird ein Planungs-CT und ein Fahrplan erstellt, schon wenige Tage später beginnt die Behandlung. Und es freut ihn immer wieder, wenn die Menschen dann deutlich erleichtert aus seiner Praxis gehen. „Strahlentherapie ist eben mehr als Technik und Physik“, sagt Wolff.
Nach der Therapie gibt es ein Abschlussgespräch und Termine für die Nachsorge. Nach drei Monaten wird geprüft, wie der Tumor auf die Therapie angesprochen hat. So lange braucht das körpereigene Immunsystem, um die durch die Bestrahlung geschädigten Tumorzellen abzubauen. Prof. Dr. Wolff vergleicht das mit einer Großbaustelle nach einem Hochhauseinsturz: Erst räumen die Bagger Stein für Stein auf und nach drei Monaten ist die Baustelle sauber.
Für ihn geht moderne Therapie aber über die Bestrahlung hinaus. Deshalb gründete er vor zwei Jahren ein eigenes Support-Zentrum, das der Praxis angeschlossen ist – ebenfalls ein langgehegter Traum. Dort begleiten Spezialisten Patienten mit Ernährungsberatung, Sportprogrammen, Yoga, Akupunktur, Beckenbodentraining oder mentaler Unterstützung. „Wir wollen nicht nur auf den Knopf eines Gerätes drücken, sondern uns umfassend um die PatientInnen kümmern.“
Nur weil man etwas machen kann, heißt das nicht, dass es immer das Beste ist.
Prof. Dr. med. Hendrik Wolff
Klingt nach einem Match. Eigentlich wollte der gebürtige Emder Kardiologe werden - erst ein Zufall brachte ihn zur Strahlentherapie: Sein Nachbar im Studentenwohnheim in Göttingen war Assistenzarzt in diesem Fach und bot ihm eine Doktorarbeit an. Daraus wurde Leidenschaft für die Strahlentherapie – und schließlich eine wissenschaftliche Karriere.
Mit nur 34 Jahren erhielt er den Ruf auf einen Lehrstuhl – das große Ziel, auf das er stringent hingearbeitet hatte. Gleichzeitig bot sich ihm in München die Chance, etwas völlig Neues aufzubauen. Er entschied sich gegen die Universitätskarriere und für die Freiheit, seine Vision von moderner Strahlentherapie selbst verwirklichen zu können. Hier konnte er modernste Technologien schneller einführen, neue Behandlungskonzepte entwickeln und Medizin und Betriebswirtschaft – beides hatte er studiert – miteinander verbinden. Für ihn der Traumjob. Und: Aus der Vision ist Realität geworden.
Was ist die nächste Vision? „Zunächst mit der neuen Technologie noch mehr Erfahrungen sammeln, Studien vorantreiben, noch besser werden.“ Denn er ist sicher, damit auch eine fortgeschrittene Krebserkrankung immer häufiger in eine chronische Erkrankung entwickeln zu können. Mit der man gut leben kann. Und dafür gibt er, wie er selbst sagt, 150 Prozent. Auch, „weil es einfach richtig Spaß macht, mit dem besten Team der Welt diese moderne Medizin zu machen und voranzutreiben.“
„Erst die Kombination aus online-adaptiver Bestrahlung und Radiochirurgie macht den Unterschied. Diesen Sprung spüren die Patienten unmittelbar: weniger Sitzungen, weniger Nebenwirkungen, mehr Leben während der Therapie.“
Prof. Dr. med. Hendrik Wolff