
© Darina Belonogova
22. Oktober 2026
Dr. med. Laura von der Heyden
Wenn Eltern oder Geschwister an Krebs erkranken, stellt sich oft die Frage nach dem eigenen Risiko. Dr. Laura von der Heyden ist Fachärztin für Humangenetik und erklärt im ersten Teil ihrer Kolumnenreihe, welche Rolle erbliche Genveränderungen bei Brust-, Darm- und Prostatakrebs spielen – und wie dieses Wissen die Vorsorge verändern kann.
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Dr. med. Laura von der Heyden
Brust-, Darm- und Prostatakrebs gehören zu den häufigsten Krebserkrankungen. Die meisten entstehen durch im Laufe des Lebens erworbene Veränderungen. Bei einem Teil der Erkrankungen spielt eine erbliche Veranlagung eine Rolle. Bei Brustkrebs sind etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle mit krankheitsverursachenden erblichen Veränderungen verbunden.
Eine genetische Untersuchung kann eine solche Veranlagung erkennen, bevor eine Erkrankung auftritt. Das Ergebnis kann helfen, Vorsorgemöglichkeiten und weitere Schritte frühzeitig und selbstbestimmt zu besprechen.
Etwa jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Bei Trägerinnen einer krankheitsverursachenden BRCA1- oder BRCA2-Variante ist das Risiko deutlich erhöht. Die Schätzungen hängen unter anderem vom Gen und von der untersuchten Gruppe ab; für BRCA1 liegen sie bis zum 70. Lebensjahr bei bis zu 80 Prozent. Auch das Eierstockkrebsrisiko ist erhöht, insbesondere bei BRCA1.
Neben BRCA1 und BRCA2 sind weitere Gene mit erhöhten Risiken verbunden, darunter PALB2, CHEK2 und ATM. Wie stark das Risiko steigt und welche Vorsorge sinnvoll ist, unterscheidet sich je nach Gen. Moderne Paneldiagnostik untersucht diese Gene in einem Schritt.
Ein auffälliger Befund kann konkrete Möglichkeiten eröffnen. Frauen mit einer entsprechenden Veranlagung können in spezialisierten Zentren ein risikoadaptiertes Früherkennungsprogramm erhalten, das früher beginnt und andere Untersuchungen einschließen kann als das reguläre Mammografie-Screening. Eine risikoreduzierende Brustoperation kann das Brustkrebsrisiko stark senken; sie beseitigt es jedoch nicht vollständig. Auch in der Behandlung kann die Genetik wichtig sein: PARP-Inhibitoren kommen bei bestimmten Tumorarten und in festgelegten Krankheitsstadien infrage.
Welcher Weg der richtige ist, hängt von Alter, Lebensplanung und persönlicher Haltung ab. Das ist keine Entscheidung, die man allein oder überstürzt treffen muss.
„Ein Risikogen ist keine Diagnose. Es ist ein Vorsprung – wenn man ihn nutzt.“
Rund drei bis fünf Prozent aller Darmkrebserkrankungen sind erblich bedingt.
Dazu zählen vor allem das Lynch-Syndrom und seltener die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP). Hinweise auf eine mögliche erbliche Ursache können mehrere Erkrankungsfälle in einer Familienlinie, ein junges Erkrankungsalter oder eine Häufung bestimmter Tumoren sein, etwa Darm- und Gebärmutterschleimhautkrebs beim Lynch-Syndrom.
Die gute Nachricht: Darmkrebs entsteht meist über Jahre aus Vorstufen. Bei bestimmten erblichen Tumorsyndromen beginnt die Darmspiegelung deshalb bereits in jungen Jahren und erfolgt in engen Abständen. So können Veränderungen früh erkannt und häufig bereits als Vorstufen entfernt werden.
Was oft nicht bekannt ist: BRCA-Veränderungen betreffen auch Männer. Vor allem BRCA2 ist mit einem erhöhten Risiko für Prostatakrebs sowie mit einem jüngeren Erkrankungsalter und häufiger klinisch bedeutsamen Tumoren verbunden.
Auch andere Gene, darunter HOXB13 und ATM, können bei erblichem Prostatakrebs eine Rolle spielen. Für Männer mit einer BRCA2-Variante kann eine PSA-basierte Früherkennung ab 40 Jahren erwogen werden. Nutzen und mögliche Nachteile sollten individuell ärztlich besprochen werden.
Hinzu kommt: Männer geben eine BRCA-Veränderung mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent an ihre Kinder weiter – auch an ihre Töchter. Erblicher Krebs ist deshalb nie nur Frauensache, sondern immer ein Thema für die ganze Familie.
Hellhörig werden sollte man bei mehreren Krebsfällen in einer Familienlinie, bei Erkrankungen in jungem Alter, bei Eierstockkrebs oder Brustkrebs beim Mann in der Familie. Aber auch ohne auffällige Familiengeschichte kann eine Untersuchung sinnvoll sein – kleine Familien oder fehlende Informationen verschleiern Risiken häufig. Am Anfang steht immer ein ausführliches Beratungsgespräch.

Wenn Eltern oder Geschwister an Krebs erkranken, stellt sich oft die Frage nach dem eigenen Risiko. Dr. Laura von der Heyden ist Fachärztin für Humangenetik und erklärt im ersten Teil ihrer Kolumnenreihe, welche Rolle erbliche Genveränderungen bei Brust-, Darm- und Prostatakrebs spielen – und wie dieses Wissen die Vorsorge verändern kann.
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