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Prof. Dr. med. Sandro M. Krieg

Universitätsklinikum Heidelberg

Wir wollen Sie nicht wiedersehen

 Klingt im ersten Moment hart. Tatsächlich steckt für Prof. Dr. Sandro Krieg, ärztlicher Direktor der Neurochirurgischen Klinik am Universitätsklinikum Heidelberg, hinter der plakativen Aufforderung ein klares Ziel: Tertiärprävention.  Seine PatientInnen bekommen bei der Entlassung eine Anleitung, was sie selbst tun können, um den langfristigen Erfolg eines Eingriffs zu sichern – ein unkonventioneller Weg also, „der verhindern soll, dass der- oder diejenige noch einmal dasselbe Problem bekommt,“ sagt er mit Augenzwinkern. Um alles andere kümmern sich er und sein Team. Jeden Tag auf höchstem Niveau. Optimierung ist sein Antrieb. Und zwar im besten Wortsinn.

 Nach dem Wehrdienst in Berchtesgaden studierte er in München – Studienaufenthalte in Boston, London, San Diego und San Francisco vermittelten ihm das, was er selbst ein „bigger picture“ nennt – weit über die Neurochirurgie hinaus. Wovon er auch im Sinne eines guten Netzwerks heute noch profitiert. Zusätzlich absolvierte er ein wirtschaftliches Studium. 2022, mit gerade 40 Jahren, folgte er dem Ruf nach Heidelberg und übernimmt 2023 einen der größten und traditionsreichsten neurochirurgischen Lehrstühle Deutschlands.

Trotz seiner Aufgaben als Klinikdirektor steht er fast täglich im Operationssaal – rund 600 Eingriffe führt er pro Jahr selbst durch. Gleichzeitig bildet er den neurochirurgischen Nachwuchs aus. Denn Spitzenmedizin dürfe nicht vom Können Einzelner abhängen. „Wenn es Dinge gibt, die nur ich kann, dann möchte ich, dass das in Zukunft mehr Leute können.“

Universitätsklinikum Heidelberg

Im Neuenheimer Feld 400

69120 Heidelberg

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Mikrochirurgische Präzision in der vaskulären Neurochirurgie bei der Behandlung von Hirngefäßerkrankungen

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Moderne intraoperative Bildgebung unterstützt die präzise neurochirurgische Behandlung komplexer Gefäßerkrankungen

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Hochpräzise mikrochirurgische Verfahren ermöglichen die gezielte Behandlung komplexer neurochirurgischer Erkrankungen

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Interdisziplinäre Planung komplexer Eingriffe an der Wirbelsäule als Bestandteil moderner Neurochirurgie

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Individuelle Betreuung und gezielte Rehabilitation unterstützen die Erholung nach neurochirurgischen Eingriffen

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Engmaschige Überwachung und interdisziplinäre Zusammenarbeit für eine moderne neurochirurgische Versorgung

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Präzise Bildgebung bildet die Grundlage für die individuelle Planung komplexer neurochirurgischer Eingriffe

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Moderne mikrochirurgische Verfahren ermöglichen hochpräzise Eingriffe unter optimaler visueller Kontrolle

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Erfahrung, Spezialisierung und interdisziplinärer Austausch für eine moderne neurochirurgische Versorgung

„Jeder Patient soll die Therapie bekommen, die er braucht – und nicht die, die das Zentrum kann.“

Prof. Dr. med. Sandro M. Krieg

Gerade bei besonders schwierigen Hirntumoren hat sich Krieg einen Namen gemacht. Tumoren in unmittelbarer Nähe von Sprach- oder Bewegungszentren, komplexe Schädelbasisbefunde oder aufwendige Revisionsoperationen der Wirbelsäule gehören zu den Eingriffen, für die Patientinnen und Patienten aller Altersgruppen auch überregional und aus dem Ausland nach Heidelberg kommen. Für Krieg zählt dabei nicht allein, möglichst viel Tumorgewebe zu entfernen. Entscheidend für uns ist, was der Patient nach der Operation kann. „Wir wollen nicht nur das Leben verlängern. Es muss auch lebenswert sein.“ Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch seine Arbeit. Jede neurochirurgische Entscheidung bewegt sich in einem Spannungsfeld: Einerseits soll ein Tumor möglichst vollständig entfernt werden, andererseits müssen Sprache, Bewegung oder andere wichtige Hirnfunktionen erhalten bleiben. Dabei helfen neue Verfahren, die bereits während der Operation Hinweise auf die biologische Beschaffenheit eines Tumors liefern können, wie z. B. die konfokale Laserendomikroskopie und die Raman-Spektroskopie. Künstliche Intelligenz unterstützt dabei, Risiken besser einzuschätzen oder den postoperativen Verlauf vorherzusagen. Immer mit demselben Ziel: Entscheidungen genauer und individueller zu machen.

 Auch bei Eingriffen an der Wirbelsäule denkt Krieg konsequent vom Ergebnis her. „Wir machen immer nur so invasiv wie nötig.“ Wo immer möglich, wird muskelschonend operiert. Das verkürzt die Erholung, reduziert Schmerzen und hilft gerade älteren Patientinnen und Patienten, schneller wieder mobil zu werden. Dass jemand nach einer Wirbelsäulenoperation bereits am nächsten Tag nach Hause gehen kann, sei heute keine Ausnahme mehr. Für Krieg ist das kein Zeichen von Zeitdruck, sondern von neu gedachter Medizin.  Das Ergebnis gibt ihm recht: „Den Leuten geht es einfach besser.“ Und er findet es immer wieder beeindruckend, wie schnell Wirbelsäulenoperierte nach minimalinvasiven Eingriffen wieder auf dem Damm sind. Und wie gut man inzwischen auch sehr betagte, multimorbide PatientInnen so behandeln kann. Denn gerade für diese Gruppe ist eine schnelle Wiedereingliederung in den Alltag essenziell.

„Wir wollen nicht nur das Leben verlängern. Es muss auch lebenswert sein.“

Prof. Dr. med. Sandro M. Krieg

Diese konsequente Orientierung am Behandlungsergebnis endet für Krieg nicht mit der Entlassung aus dem Krankenhaus. Gemeinsam mit seinem Team untersucht die Heidelberger Neurochirurgie systematisch, wie Patientinnen und Patienten ihre Lebensqualität nach einem Eingriff tatsächlich erleben. Diese sogenannten PROMs (Patient-Reported Outcome Measures) erfassen nicht Laborwerte oder Röntgenbilder – sondern das, was für Betroffene entscheidend ist: Ihr subjektiv wahrgenommener Gesundheitszustand. Wie stark belastet die Operation? Wann gelingt die Rückkehr in den Alltag? Welche Verfahren sind langfristig schonender? Solche Fragen stehen zunehmend im Mittelpunkt der Forschung und tragen zu einer patientenorientierteren Gesundheitsversorgung bei. Und das nicht, wie viele Studien es vorsehen, nach drei Monaten, sondern bereits in den ersten Tagen und Wochen. Denn biologisches Überleben allein reicht Prof. Krieg nicht aus. Entscheidend ist, wie gut Leben danach gelingt. Dabei denkt er Neurochirurgie grundsätzlich interdisziplinär. Ob Operation, Bestrahlung oder zunächst Beobachten – die beste Therapie entsteht aus dem Zusammenspiel verschiedener Fachrichtungen. Tumorboards, gemeinsame Sprechstunden und kurze Wege zwischen Neurochirurgie, Radioonkologie, Neuroloonkologie oder Neuropathologie gehören deshalb zum Konzept. „Jeder Patient soll die Therapie bekommen, die er braucht – und nicht die, die das Zentrum kann.“ Das Zentrum muss alle sinnvollen Therapien abdecken können; für ihn auch ein Grund in Heidelberg zu sein.

 Hier taucht sie wieder auf – die Optimierung. Und sie zieht sich weiter wie ein roter Faden durch seine Arbeit. Auch über den OP hinaus. Internationale Kooperationen oder wissenschaftliche Studien gehören dazu. Besonders am Herzen liegt ihm die Förderung des medizinischen Nachwuchses, auch im eigenen Team. Wie bringe ich Familienplanung und ein chirurgisches Fach zusammen – ist der Schwerpunkt einer neuen Seminarreihe, die er aufgelegt hat. Junge Ärztinnen und Ärzte sollen sich entwickeln können, ohne zwischen Karriere und Familie wählen zu müssen. Flexible Arbeitszeitmodelle, Forschungsfreistellung und offene Gespräche sind die Maßnahmen, die er bereits in seiner Abteilung konsequent umsetzt. Krieg weiß, dass hervorragende Medizin nur dort entsteht, wo man gerne arbeitet. „Ich will nicht, dass die Medizinerinnen und Mediziner, die eigentlich genau die Richtigen für dieses Fach wären, sich aus falschen Gründen dagegen entscheiden.“

„Wenn es Dinge gibt, die nur ich kann, dann möchte ich, dass das in Zukunft mehr Leute können.“

Prof. Dr. med. Sandro M. Krieg

Den Optimierungsanspruch lebt er auch privat. Er achtet auf ausreichend Schlaf, treibt regelmäßig Sport und verzichtet bewusst auf Alkohol. Gesellschaftliche Termine müssen dann auch schon mal ohne ihn stattfinden. Einfach, weil er so leistungsfähiger ist. „Das Fach ist halt Teil meines Lebens“, sagt er. Und das wissen Familie und Freunde. Denn seine Überzeugung lautet: „Jeder Patient hat mich immer in meinem besten Zustand verdient.“