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Prof. Dr. med. Stefan Lorenzl

Krankenhaus Agatharied

Brain Health: Von Vorsorge bis Versorgung

 

„Interessiert, offen für Neues und ein wenig rastlos“ – so beschreibt Prof. Dr. Lorenzl sich selbst. Und damit nennt er schon ein paar Eigenschaften, die entscheidend sind, um das Gehirn vital zu halten. Prof. Dr. Stefan Lorenzl ist Facharzt für Neurologie und Palliativmedizin sowie Chefarzt der neurologischen Abteilung im Krankenhaus Agatharied. Seine Schwerpunkte sind neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson und atypische Parkinson-Syndrome, Motoneuron-Erkrankungen (z. B. ALS) und Multiple Sklerose sowie Alzheimer und Demenzerkrankungen. Die moderne Klinik im Landkreis Miesbach bietet ein diagnostisches und therapeutisches Spektrum auf Universitätsniveau – aufgrund der Größe aber auch eine sehr individuelle Beratung und Begleitung. „Gerade bei Diagnosen wie Demenz oder Parkinson ist das wichtig“, betont Lorenzl. „Viele denken zunächst: Das Leben ist jetzt zu Ende. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, den Verlauf zu beeinflussen – oft schon vor Ausbruch der Krankheit.“ Vierzig bis sechzig Prozent der Risikofaktoren für Demenz lassen sich laut Studien gezielt behandeln oder beeinflussen – vorausgesetzt, sie werden rechtzeitig erkannt.

Krankenhaus Agatharied

Norbert-Kerkel-Platz 1

83734 Hausham

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Mit modernster Ultraschalltechnik werden die hirnversorgenden Gefäße untersucht

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Prof. Dr. Stefan Lorenzl widmet jedem Patienten seine volle Expertise und Aufmerksamkeit – für eine Behandlung auf höchstem Niveau

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Prof. Dr. Stefan Lorenzl und Dr. Haber im Krankenhausflur – zwei Top‑Ärzte für höchste medizinische Qualität

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Prof. Dr. Stefan Lorenzl und Dr. Haber im professionellen Austausch – volle Expertise und kollegiale Zusammenarbeit für die Patientenversorgung

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Prof. Dr. Stefan Lorenzl an seinem Schreibtisch – medizinische Expertise

Alzheimer und Demenz

Mehr als 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Demenz, die meisten mit Alzheimer. Weltweit wird ein starker Anstieg erwartet. Die gute Nachricht: „In Europa sehen wir eine Abflachung. Menschen bewegen sich mehr, ernähren sich bewusster und achten auf ihre geistige und körperliche Fitness. Das zeigt: Wir können selbst Einfluss nehmen“, erklärt Lorenzl. Zur modernen Diagnostik gehören neurologische Untersuchungen, Gedächtnistests, EEGs, Blut- und Liquoranalysen sowie Bildgebung. Und manchmal stellt sich auch heraus: Es ist keine Demenz, sondern z. B. eine Depression. Auch genetische Tests können Klarheit schaffen. „Das klingt für manche beängstigend, aber selbst bei Veranlagung gibt es heute therapeutische Möglichkeiten. Je früher wir Bescheid wissen, desto besser können wir handeln.“ Therapeutisch setzt er z. B. bei Alzheimer künftig auch auf ein in Deutschland neu zugelassenes Antikörper-Medikament, das den Verlauf verlangsamen kann. Sinnvoll sei diese Infusionstherapie vor allem in der Frühphase. Früherkennung zählt – auch bei Gabe des Medikaments: Ein Gen-Test zeigt zudem, wer es gut verträgt.

„Vierzig bis sechzig Prozent der Risikofaktoren für Demenz lassen sich laut neueren Studien gezielt behandeln oder beeinflussen – vorausgesetzt, sie werden rechtzeitig erkannt.“

Prof. Dr. med. Stefan Lorenzl


Bewegungsstörungen und ALS

Ein zentraler Bereich von Lorenzls Arbeit ist die Parkinson-Krankheit und ihre atypischen Formen, die zu den häufigsten Krankheiten des zentralen Nervensystems gehören. Die Ursachen sind weitgehend ungeklärt – umso wichtiger sind die Erforschung und die Entwicklung neuer Therapieansätze. Lorenzl engagiert sich auch in der Parkinson Allianz, einem Verbund von klinischen Arbeitsgruppen Münchner Universitätskliniken. Studien zeigen u. a. einen Zusammenhang zwischen Parkinson und dem Einsatz von Pestiziden. Besondere Expertise hat er bei atypischen Parkinson-Formen, die schneller verlaufen und schlechter auf Standardmedikamente ansprechen. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt er individuelle Therapiekombinationen. Auch bei ALS wird in Agatharied eigene, bereits ausgezeichnete Forschung zu Ursachen und Therapiemöglichkeiten betrieben. „Neben der Therapie geht es immer auch um Lebensplanung und persönliche Begleitung – und dafür nehme ich mir Zeit, auch nach 18 Uhr und am Wochenende.“

Geistige Fitness und Brain Health

„Viele Erkrankungen, vor denen wir uns fürchten – Alzheimer, Parkinson, ALS – lassen sich durch Prävention möglicherweise beeinflussen“, betont Lorenzl. Präventivmedizin ist daher ein Schlüsselwort in der Neurologie. Und auch in der Longevity-Medizin rückt „Brain Health“ in den Vordergrund. Dazu hat er – in Zusammenarbeit mit dem Lanserhof Tegernsee – ein spezielles Programm entwickelt. Es beginnt mit der Abschätzung des Risikoprofils, dazu gehören: Blutdruck, Blutzucker, Darmgesundheit, familiäre Vorbelastung, Lebensstilfaktoren sowie neuropsychologische Tests. Optional auch MRT oder EMG. Auf Basis der Ergebnisse wird ein individuelles Präventionskonzept erstellt. Das beinhaltet Anpassung der Ernährung und der Mikronährstoffe, Bewegungskonzepte wie Neurobalance-Training oder Tai Chi, Maßnahmen zur Neuromodulation (z. B. transkraniale Gleichstromstimulation) sowie zur mentalen Gesundheit (z. B. Hypnose, Meditation).

„Ein gesundes Gehirn hat immer Interesse, etwas Neues zu lernen. Wenn man merkt, dass das nachlässt, sollte man etwas unternehmen.“

Prof. Dr. med. Stefan Lorenzl


Im Alltag liefern auch einfache Fragen („Habe ich regelmäßig Stuhlgang? Welche Lebensmittel vertrage ich nicht? Wie bewege ich mich? Wie schlafe ich?“) Hinweise, an welchen Stellschrauben man selbst drehen kann, so der Experte. So gilt das Darmmikrobiom als entscheidender Faktor für die Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen. „Um es gesund zu erhalten, braucht man keine exotischen Superfoods“, so Lorenzl. Die mediterrane Diät – also naturbelassenes Essen, gutes Brot, Olivenöl und heimische Kräuter – empfiehlt sich auch hier zur Risikomodifikation. Dazu möglichst wenig Zucker und Alkohol. Ebenso wichtig ist Regelmäßigkeit: feste Essenszeiten, gemeinsames Essen, ein klarer Tagesrhythmus oder Fastenzeiten. Besonders Fasten sei essenziell, weil es die Autophagie – den zellulären Reinigungsprozess – anregt. Zusätzlich Struktur und Halt vermitteln auch Gemeinschaft und geistige Beschäftigung – denn „das Gehirn sucht den Austausch mit anderen Gehirnen“. So lässt sich auch bei Demenz die Autonomie länger aufrechterhalten. Auch Schlaf ist zentral. Tiefe Schlafphasen dienen der Entgiftung des Gehirns, kurze Nickerchen bringen wertvolle Regeneration. Und: weniger Bildschirmzeit am Abend, lieber ein Buch lesen. Schließlich Bewegung: Mindestens 30 Minuten täglich sind für Lorenzl ein „Minimalprogramm“. Da gilt auch: spazieren gehen, Radfahren oder Dehnübungen – Hauptsache regelmäßig. Sein Tipp: täglich zehn Schritte rückwärts gehen – das stimuliert das Kleinhirn und beeinflusst die Gedächtnisleistung positiv.

Würde und Lebensqualität

Ein weiteres Herzensthema ist für Prof. Dr. Lorenzl die Palliativmedizin – weil viele der neurologischen Erkrankungen nicht heilbar sind und in der fortgeschrittenen Phase eine schwere Symptomlast haben. Moderne Methoden wie nichtinvasive Beatmung, Opiattherapie bei Atemnot oder spezialisierte Pflegekonzepte schaffen spürbar Erleichterung. „Ich möchte den Menschen zudem ein bisschen Hoffnung oder eine Begleitung geben – auch oder gerade dann, wenn eine Krankheit nicht heilbar ist“, sagt Lorenzl. Für ihn bedeutet Medizin nicht nur die Suche nach Heilung, sondern auch die Verpflichtung, Würde, Autonomie und Lebensqualität zu erhalten. Mit dem von ihm mitinitiierten „Institut für Palliativcare“ an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg setzt Lorenzl wissenschaftliche Impulse. Dort wird mit einem Team aus Medizin, Pflege, Pharmazie, Geriatrie bis hin zu Spiritual Care interdisziplinär geforscht sowie neue Modelle – wie etwa neurologische Homecare für ALS- und Parkinson-Patienten – entwickelt. Ziel ist eine hochqualitative Palliativversorgung.

Woher er seine Kraft schöpft? „Aus dem Interesse an meinen Patienten. Ich habe das Glück, dass jeder Tag spannende Aufgaben und neue Herausforderungen bringt. Und ich bin gern unter Menschen – auch privat.“